kastanienklein

mein herz kastanienklein – meine hände apfelrot – meine augen regengrau

Märzende, verspätetes

apfel

Manchmal überschlägt sich die Welt. Alles gerät aus dem Takt. Da stehe ich und kann nichts tun. Helfen können wollen und Helfen sind zwei unterschiedlich große Schuhe, die ins Stolpern bringen.

Gerade geschieht so viel verschiedenes um mich herum – etwas Trauriges. Etwas Gutes. Etwas Aufregendes. Etwas Unerwartetes.

Ich stehe, sitze, liege hier und versuche, den Überblick zu behalten. Nachdem mich zuletzt eine Erkältung auf dem falschen Fuß erwischt hat und ich ein paar Tage Zwangspause einlegen musste, stellt sich die wenig spektakuläre Erkenntnis ein, dass ich mich vor dem Leben nicht verstecken kann.

Ich fühle mich gesund gerade und irgendwie stärker als die Endometriose. Eigentlich wollte ich heute eine Bilanz nach 2 Monaten Ernährungsumstellung ziehen, aber nach längerem Nachdenken gibt es kaum etwas zu sagen als dass es mir ein Stück von dem Gefühl genommen hat, der Krankheit ausgeliefert zu sein. Ich weiß nicht, wie lange das Gefühl bleibt, aber es ist gut, dass es jetzt da ist. Absurd, dass ich lange davor Angst hatte, mein nächstes Lebensjahrzehnt zu erreichen, weil ich nicht wollte, dass etwas endet. Dabei fängt doch bloß ein neues Jahrzehnt an, und es ist ein weißes Blatt Papier.

sämtliche Wunder

Die letzten Wochen waren ein Regen, ein platschender Starkregen an Erfahrungen, an Geschichten, an Eindrücken. Nachdem ich in meinem letzten Job Menschen über einen längeren Zeitraum habe begleiten dürfen, bin ich jetzt wieder zurück in der Beratungsarbeit, und ich merke, dass es mir gefehlt hatte.  So viele Menschen jeden Tag; eine neue Erfahrung ist für mich, mit Sprachmittlern zu arbeiten. Zuerst hatte ich Sorge, wie es mir damit gehen würde, dass jemand “zwischengeschaltet” ist. Inzwischen merke ich, wie viel in einer Beratung nonverbal passiert; eine Erfahrung, die mich beeindruckt und irgendwie auch gestärkt hat. Draußen ist derweil der Frühling angebrochen, ich habe es beinah ein bisschen verpasst. Heute früh erst habe ich mit einem Mann darüber gesprochen, wie viel schöner es ist, den Beginn des neuen Jahres mit dem Frühling zu feiern, wenn man wirklich auch das Gefühl hat, dass alles neu ist. In diesem Sinne wünsche ich ein wunderbares neues Jahr.

spatz

Wie erwartet ist der rote Zopfpullover im Februar recht bald fertig geworden, seitdem auch schon viel getragen. Erfreulicherweise kann ich das Garn gut auf der Haut tragen. Die Ärmel sind von oben angestrickt, ein bisschen kamikazemäßig drauf los, aber es hat funktioniert und sah auch nach dem Waschen noch brauchbar aus. Durch das Zopfmuster ist der Pullover vergleichweise schwer (ca. 510g), aber beim Waschen nicht ausgeleiert.

zimtapfelpullover12

Im Anschluss an dieses Farbwunder brauchte ich ein wenig Kontrastprogramm und habe mit dem Stricken der Jacke “Diary” begonnen, aus dem lange gelagerten und schon zweimal geribbelten Baby-Alpaca von ggh. Ich denke eher nicht, dass diese Jacke hinterher perfekt passen wird, aber zum Einmummeln ist sie genau die Richtige in Kombination mit dem kuscheligen Garn.

diary3

Und nun zu unserem Wunder der letzten Wochen, der schnellen Genesung unseres kleinen Katers Fridolin. Beim Lüften hat er sich unbemerkt ins Zimmer geschlichen und ist vom Fensterbrett gestürzt; aus dem dritten Stock, Altbau. Er hat einen Zahn verloren, sich den Fuß gebrochen, musste operiert werden und Schmerzen, Verband und Halskragen durchleiden. Aber inzwischen ist er fast wieder der Alte. Der Schreck, die Tränen, die Angst, das wirft alles einen kleinen Schatten auf die zurückliegenden Wochen. Unser zweiter (eigentlich erster) Kater, hat in dem Stress eine Bauchspeicheldrüsenentzündung bekommen und, kaum genesen, noch eine ordentliche Erkältung mit Fieber hinterher, so dass wir gerade in die zweite Antibiotikarunde starten.

SAM_2908kl

Unser tapferes Kätzchen, das uns ein wenig Glauben an Wunder geschenkt hat. Ich wünsche mir, dass davon ein wenig bleibt.

Winternachmittage

Ich mag diese Zeit, diese Zwischenzeit, wenn draußen der Weihnachts- und Neujahrstrubel vorüber ist und die Stadt brachzuliegen scheint im Warten auf den Frühling. Ich mag das Licht, diese besondere Stimmung, wenn die Sonne in dieser Jahreszeit auf- und untergeht. Die Spree ist zugefroren zwischendurch, taut jetzt wieder auf, jeden Tag bleibe ich am Fluss stehen und halte kurz inne und freue mich.

Eine Zwischenzeit war es für mich im wahrsten Sinne des Wortes, die Zeit zwischen zwei Jobs, eine Zeit zum Runterkommen, Nachdenken, Ankommen. In der neuen Wohnung, dem Viertel drumherum, habe ich mich so schnell und so von ganzem Herzen eingelebt, dass ich zwischendurch das Gefühl hatte, es könne einfach enden wie ein wunderbarer Urlaub; als müsse ich nach dem Ablauf einer bestimmten Zeit wieder weg fahren und all das Liebgewonnene zurücklassen. Ich habe das Glück gehabt, eine Stelle zu finden, in der ich 10 Stunden weniger arbeiten muss in der Woche, aber das gleiche verdiene wie zuletzt. Eine Stelle, in der ich Gestaltungsspielraum habe, viel mit entwickeln kann. Eine Stelle, in der ich, so hoffe ich sehr, etwas bewegen kann in einem Bereich, der mir eine Herzensangelegenheit ist. Und, das Beste zum Schluss: Eine Stelle, die 10 Minuten Fußweg von unserer neuen Wohnung entfernt liegt. Da passt plötzlich alles zusammen; ein neues Puzzleteil ist eingesetzt.

januarcollage

Ich bin einiges angegangen, unter anderem der lange vor mit hergeschobene Arztbesuch, der eine Erklärung für die Schmerzen zutage förderte, die mich nicht glücklich macht. Ich bin wiederholt über die Frage gestolpert, warum mein Körper gegen mich zu arbeiten scheint, auch wenn das absurd ist, weil das nicht trennbar ist: mein Körper vs. ich? Im aktuellen Gedankenkarussell dreht sich auch viel um die immer wieder aufgestellte Behauptung, ein bestimmter Frauentyp sei besonders häufig von der Krankheit betroffen. Ich finde es nach wie vor schwierig, mich auszubalancieren zwischen meiner Verantwortung für mich selbst und der immer wieder zu lesenden Unterstellung, ich (genau wie zahllose andere betroffene Frauen) sei letztlich selbst wesentlich mit verantwortlich für meine Erkrankung. In den letzten Wochen habe ich wieder mehr auf meine Ernährung geachtet, es geht mir besser. Nachdem wir am 10. Januar endlich die alte Wohnung nach 2 Monaten Renovieren endgültig übergeben konnten, ist gleichzeitig eine riesige Last abgefallen. Ich weiß nicht, ob jetzt das eine oder das andere oder vielleicht beides die Ursache sind, aber ich möchte das so beibehalten. Ich hoffe, dass ich mit dem neuen Job unter diesen guten Bedingungen etwas stressfreier leben kann, die nötige Zeit zum Ausruhen habe und weiter so gut ernährungstechnisch auf mich achten kann. Aber ich bin ganz zuversichtlich.

Und ich habe so viel gestrickt! Zöpfe!

Ich finde Zöpfe so schön, bin aber gleichzeitig viel zu faul, sie zu stricken. Umso erstaunlicher, wieviel ich im Januar geschafft habe. Ergebnis Nr. 1 war eine Mütze, der Voleur, den ich vor 2 Jahren schonmal in Rot gestrickt und seitdem viel getragen hatte, dieses Mal in fröhlichem Grau mit einem kontrastfarbenen Bündchen aus dem Restgarn vom Hochzeitstuch:

grauemuetze6

Kurz darauf begonnen in einem spontanen Anfall von Stricklust wurde ein roter Zopfpulli, den eine andere Strickerin bei Ravelry nach einem “Vintage-Pattern” gearbeitet hatte. Ich war sofort begeistert! Der Pullover ist nicht aufwändig, er fällt nicht aus dem Rahmen, aber wie lange ich nach so einem schlichten Basisteil gesucht habe für meine wunderschönen roten Stränge in der Farbe “Zimtapfel”… Ich habe in für mich rasantem Tempo gestrickt und wenn ich das weiter so durchhalte, ist der Pullover innerhalb von 4 Wochen fertig geworden. Es kommt selten vor, dass ich so spontan und begeistert etwas anschlage. Eigentlich wäge ich immer sehr lange ab und prüfe meine Entscheidung dann nochmal sehr genau, weil ein Strickstück immer eine Arbeit von mehreren Wochen, oft sogar mehreren Monaten ist. Ich will mir sicher sein, dass ich dranbleibe, sowohl rein praktisch gesehen in Bezug auf das Stricken, aber auch emotional. Ich will nicht, dass ein Strickstück mich irgendwann nervt. Für mich macht ein großes Stück meiner Freude am Stricken auch aus, dass aus meiner Sicht jeder Schritt in dem Prozess seinen Reiz hat. Von der Entwicklung einer Idee, der Planung und den ersten Reihen, dem Genuss zu sehen, wie ein Strickstück wächst, wie Erwartungen sich erfüllen oder zwischendurch umgedacht werden muss, der optische und haptische Genuss; die Freude, zwischendurch das Strickstück vor sich auszubreiten und zu betrachten, wie es gewachsen ist, bis hin zum Endspurt, den manchmal quälenden Stunden durch die letzten Reihen, bevor das Strickstück gebadet und getrocknet wird. Und dann natürlich: Es im Alltag zu tragen. Jedes dieser Werke hat mich ein Stück durch mein Leben begleitet, an jedem Strickstück hängen Erinnerungen.

zimtapfelpullover8

Heute war mein erster Arbeitstag, vielversprechend und aufregend. Jetzt ist mein Kopf müde von all den Eindrücken. Mehr zu berichten gibt es dann hoffentlich, wenn der Pullover seinen zweiten Ärmel hat.

tschüß, 2013

2013inbildern

Das Jahr ist fast vorbei, und irgendwie auch nicht so richtig.  Das wird es für mich erst sein, wenn die Wohnungsübergabe über die Bühne ist und wir endlich loslassen können. Die letzten Wochen habe ich viel gelernt in Sachen Renovierung, weil wir das Ende einer langen Kette von unrenovierten Weitergaben der Wohnung waren und es uns jetzt getroffen hat. Nun wollen noch drei Türen neu lackiert werden, dann ist es geschafft.

Ins neue Jahr gehe ich mit neuer Wohnung und ohne Job. Der Neuanfang in Bezug auf die Wohnung war die beste Entscheidung seit langem, trotz der Arbeit, trotz des Geldes, das es gekostet hat. Ich merke, dass sich in mir etwas gelöst hat, an dem Punkt, wo ich die alte Wohnung endlich loslassen konnte. Manchmal halte ich mich an Dingen fest, mit so viel Angst und Sorge, dass die Kraft aufgebraucht wird. Und wenn ich dann falle, merke ich, dass ich längst hätte loslassen können. Wie wenn man zu weit schwimmt auf dem Weg zurück zum Ufer, und dann erstaunt ist, weil man sich schon die Knie am Boden aufschlägt.

Ich glaube, dass ich stärker – gestärkter – ins neue Jahr gehe als ins letzte. Mein Umgang mit der Krankheit, mit den Schmerzen, ist souveräner, selbstverständlicher geworden. Der Gedanke, dass die Endometriose bleiben, nicht einfach weggehen wird, ist aushaltbarer geworden. Ich bin nicht mehr permanent auf der Flucht. Die Etappen, in denen es mir körperlich schlecht geht, liegen weiter auseinander. Bei meiner Ärztin sagen sie: Wie schön, dass wir Sie so lange nicht gesehen haben.

Die Gedanken sind andere geworden. Anfang Dezember hat mich umgetrieben, wie meine Krankheit, mein Wunsch nach einem Kind, mein Selbstbild, mein feministischer Anspruch an mich selbst zusammengehen. Ich bin leider immernoch nicht an einem Punkt, wo meine Gedanken so geordnet wären, dass ich sie sinnvoll verschriftlichen könnte. Da ist so viel Gegenläufiges, so viel Widersprüchliches und so viel, das mein Selbstwertgefühl aus der Bahn wirft, wie man plötzlich und unerwartet auf einer gefrorenen Pfütze ausrutscht. Wenn ich ins Schlingern gerate, falle ich immernoch tief, und dann hilft oft nur noch, die Außenwelt auszusperren. Die Welt da draußen mit ihren Selbstverständlichkeiten, bei denen ich nicht mithalten kann.

Ich will auch einen Blick zurück auf mein Strickjahr 2013 werfen und einen kleinen Blick nach vorne wagen. Verstrickt habe ich dieses Jahr ausschließlich Wollvorräte:

gstricktes2013

Mein Strickjahr 2013 ist wirklich farbenfroh geraten. Am meisten erfreue ich mich an meinem Nuvem, der mich die längste Zeit des Jahres begleitet hat.

Mein nächster Langzeitbegleiter ist ein Pullover mit einem außergewöhnlichen Schnitt (nach der Anleitung Trestle aus der Wool People 6) aus dem wunderbaren Holst Garn Noble. Das Rückenteil ist inzwischen fertigstellt. Das Garn ist sehr dünn und leicht, hat einen tollen Griff. Und in das Rot bin ich verliebt seit der ersten Minute.

helterskelter1

auf der Insel

katzenfenster

Hier ist es still gewesen seit bald 2 Montaten, was nicht daran liegt, dass zu wenig passiert wäre, eher im Gegenteil.

Seit einer Woche schauen wir aus einem anderen Fenster, in einen anderen Baumwipfel. Wir haben die Gelegenheit ergriffen und die Wohnung von Freunden übernommen. Das hatte viele Gründe; und einer davon war, dass ich uns eine Wohnungssuche in Berlin ersparen wollte. In der Wohnung mit dem knarrenden Boden und den alten Öfen fühle ich mich ein wenig wie in einem verwunschenen Schloss. Umgeben von Wasser, denn ich habe gelernt: Moabit ist eine Insel. Nach einer Woche lichtet sich langsam das Chaos, ist die Küche fertig eingerichtet (für mich immer der wichtigste Ort in einer Wohnung; der erste, den ich einräume), und ich warte darauf, dass sich das Gefühl von Vertrautheit einstellt.

Wenige Tage vor dem Umzug habe ich mitgeteilt bekommen, dass meine Stelle nicht verlängert wird. Der gleiche Mist wie mit der letzten Stelle, eine fehlende Finanzierung, ich kann nicht bleiben. Das hat mich mehr aus den Schuhen gehauen als ich geglaubt hatte, denn nach einigen Anzeichen war ich innerlich auf diese Nachricht vorbereitet. Vielleicht kann man auf sowas nicht vorbereitet sein. Jetzt muss ich erstmal für mich selbst eine Ebene finden, auf der es mir besser geht, bevor ich es den Mädchen und ihren Familien sage, mit denen ich arbeite. Vertrauen ist nichts, das einfach da ist. Mit einigen Familien bin ich in diesem Jahr sehr schwere Wege gegangen. Jetzt darf ich die verbleibenden 1,5 Monate dazu nutzen, den nächsten Beziehungsabbruch irgendwie auszubügeln. Aktuell bin ich, glaube ich, einfach noch wütend. Und mein Körper rebelliert, mit Schmerzattacken, die zum Fürchten sind.

Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit und ich glaube, ich habe ihn in diesem Jahr ein bisschen verpasst. Der Baum vor dem Fenster trägt noch ein paar letzte, gelbe Blätter; der Herbst verschwindet und der November wächst.

Mein Nuvem ist fertig! Ich habe tatsächlich weniger als ein Jahr gebraucht, und das Tuch ist riesig und weich wie eine große Umarmung.

nuvem7

Fast gleichzeitig ist die furchsiafarbene Mütze im Patentmuster fertig geworden. Als die Bilder entstanden sind, was es noch viel zu warm für Mütze und Schal; inzwischen sind sie liebgewonnene Begleiter.

hier. jetzt.

herzchen2

Ich bin ein von Herzen unromantischer Mensch.

Als ich nach meiner Diagnose eine Therapie versuchte, sagte die Therapeutin zu mir: “Sie sind rational verhärtet.”

Das bedeutet übersetzt wohl etwas in Richtung “hoffnungsloser Fall”.

Vielleicht bin ich einfach ein Mensch, der sein Leben nicht gerne aus der Hand gibt. Ich habe nie darauf gewartet, dass eine/r kommt und mich rettet. Dass eine/r kommt und mich fragt.

Dass wir heiraten, ist zum guten Teil eine Vernunftentscheidung, und als solche will ich es verstanden wissen. Eine finanzielle Entscheidung und eine Entscheidung im Hinblick darauf, dass ich will, dass im Krankenhaus einer bei mir sein kann, der in jedem Fall über alles informiert werden darf.

Und gleichzeitig ist es ein Anlass, etwas zu feiern. Wir wollten kein großes Trara, das hätte nicht zu uns gepasst. Wir heiraten für uns und öffnen hinterher unsere Türen zum Kuchenessen für Freunde. Wir haben bewusst unsere Familien rausgelassen und alles, das irgendwie stressen könnte. Und dann nehmen wir es uns einfach heraus, mal einen Tag lang uns selbst zu feierm, oder das, was wir aneinander haben, oder unsere Vergangenheit oder Zukunft oder wie auch immer man das benennen mag. Darauf freue ich mich ebenfalls von Herzen, und dafür wurden symbolisch diese kleinen Herzen gestrickt für unsere Familien.

Gestrickt wurde auch ein Tuch, und gerne stricke ich kein Lace, aber an dem ergebnis freue ich mich sehr:

magnolientuch4

Die Anleitung Damask kam mir sehr entgegen, weil das Tuch von der Kante aus gestrickt wird und die Reihen stetig kürzer werden. So kam ich gut um die sich elendig ziehenden letzten Reihen herum, weil diese nur noch aus wenigen Maschen bestanden. Letztlich reine Kopfsache, aber geholfen hat’s trotzdem.

Ansonsten stricke ich gerade tapfer weiter meinen Nuvem mit dem Plan, ihn im Oktober zu beenden. Noch etwa 10g bis zur Verdopplungsrunde sind zu schaffen. Von daher hoffentlich ein realistisches Ziel.

August

Der August passiert einfach und es ist in Ordnung. In meinem Kopf ist nicht genug Platz für alles, nicht genug Platz, um alles zu durchdenken. Der Mond wächst und die Abende werden kürzer. Ich freue mich auf den Herbst, was auch immer er bringen mag. Ich habe mit mir gehadert und mich gefragt, wann das passiert, dass ich ein mutigerer Mensch werde. Aber es ist schön zu wissen, dass der Herbst kommen wird, auf jeden Fall wird er kommen. Vor einer Woche noch hatte ich das Gefühl, mir sei die Sprache abhanden gekommen. Jetzt sind die Worte wieder da, kehren zögernd zurück. Nicht mehr lange bis September.

Und in diesen Tagen leuchtet Berlin. Die flirrende Hitze ist vorbei. Diese Abende gehören zu den schönsten und ich weiß nicht, ob ich es festhalten will oder mich mittreiben lassen.

oberbaumbrücke

Paulie ist fertig. Es ist seltsam, dass die Jacke einen Namen hat, aber die Anleitung war so benannt und nun heißt die Jacke auch im Alltag so. Paulie hat mich schon durch einige kühlere Abende und morgens auf dem Weg zu Arbeit begleitet und gewärmt. Ich bin so glücklich, diese goldgelben Stränge endlich verarbeitet zu haben.

pauliecollageSeltsam, dass ich sie gerade jetzt fertig geworden ist. Aber irgendwie passt sie in diesen August. Weiter ist nichts fertig geworden.

Das Licht ist schon so anders. Heute habe ich die ersten bunten Blätter gesehen. Auf dem Nachhauseweg bleibe ich Abends oft stehen und schaue der Sonne noch eine Weile zu. Ich habe weiterhin das Gefühl, ich dürfte mich nicht zu sehr bewegen, dass das momentane Glück nicht zerfällt. Die Angst ist meine Begleiterin, und ich kenne es nicht anders, es war nie anders. Es gibt die schlimmen Phasen und die, in denen sie nur noch der Bodensatz ist, so wie aktuell. Aber das Grausen an jedem Sonntagnachmittag, das sich irgendwann einstellt, die Angst vor der kommenden Woche, die trage ich seit meiner Schulzeit mit und habe sie nie ganz abschütteln können.

Ende September gibt es bei uns ein Fest zu feiern und die Planung und Vorbereitung nimmt mich ganz schön in Anspruch. Heute habe ich begonnen, eine Wimpelgirlande zu nähen, außerdem, wie sollte es anders sein, sind die Gastgeschenke selbst gestrickt. Aber dazu ein andermal mehr. Schwer tue ich mich gerade damit, diejenigen alle einzuladen, über deren Anwesenheit ich mich freuen würde. Die Schüchternheit steht mir auf den Füßen und ich ergreife die Flucht. Mal schauen, wie mutig ich im September noch werde. Noch eine Woche bis dahin.

das 5. Türchen

Anders kann ich es gerade nicht beschreiben, die Unruhe und Ungeduld der letzten Woche angesichts der geschlossenen Tür in unserer Wohnung. Die Mitbewohnerin eigentlich längst ausgezogen, nur noch zum Räumen, Aussortieren, Organisieren hier, und diese verschlossene Tür, damit die Katzen nicht alles durcheinanderwerfen, am Sofa kratzen oder was auch immer ihnen einfallen mag angesichts eines solchen Abenteuerspielplatzes. Die Enge, die Unordnung, die Warterei fand ich bedrückend. Seit Samstag ist die Tür offen. Es war ein bisschen wie der Adventskalender in der Kindheit, das bunte Papier, der Glitzerstaub am Finger nach dem Öffnen eines jeden Türchens und das Herzklopfen angesichts der “24″, die meistens sogar ein Doppelflügeltürchen war.

Jetzt steht sie offen, die Tür, und die Wohnung ist hell und licht. Die Wohnung duftet nach Wandfarbe und Holz und einem Gefühl von “alles neu”.

SAM_1440kl

Und die Katzen haben sich den großen, beinah leeren Abenteuerspielplatz schon erobert. Mein alter Sessel, den ich mal vom Sperrmüll nach Hause geschleppt hatte und der Leihweise im Zimmer der Mitbewohnerin stand, ist noch darin. Eine Matratze, die noch abgeholt wird. Und ansonsten ein leerer Raum. Von Zeit zu Zeit setze ich mich fasziniert in das Zimmer und lasse es einfach auf mich wirken.

Und während wir gestrichen haben, ist auch schon ein neuer Mitbewohner eingeflogen.

marienkäfer

Gestrickt habe ich wirklich viel in letzter Zeit, aber irgendwie an so vielen unterschiedlichen Baustellen (vier nämlich), dass nichts so wirklich weitergekommen ist. Fertig geworden sind allerdings ein Paar Socken, an einem der wärmsten Tage dieses jahres, mit schweißnassen Fingern beim Stricktreff. Ein simples Muster aus rechten und linken Maschen, mir gefällts.

piniensocken3

Dann habe ich mir endlich mal ein Herz gefasst und den Nuvem auf eine 150er Nadel umgestrickt und siehe da, das Stricken macht wieder Spaß. Das Geschiebe mit dem 120er Seil war am Ende wirklich furchtbar. Beim Umstricken habe ich auch eine Ahnung davon bekommen, wie riesig der Schal schon ist und wird. Das war auf jeden Fall ein Motivationsschub. Ein Foto gibt es allerdings von “Paulie”, der Strickjacke, die auf Ärmel und Blende wartet.

paulieLeider muss sie grade ein bisschen warten, weil ich mit Begeisterung an einem Lacetuch stricke. Aber davon ein andermal mehr.

Momentaufnahmen

My captured picture

Vor einigen Wochen hat meine Mutter ein lange angedachtes Projekt in die Tat umgesetzt und unsere alten Dias digitalisiert. Knapp zweitausend Bilder sind es, von der Schwangerschaft meiner Mutter bis in meine Jugend, und mein Bruder, mein Vater und ich haben jeweils eine CD bekommen. Die Dias hat hat meine Mutter weggeworfen.  Ich war hin und her gerissen zwischen Verständnis für ihre Situation und dem Gefühl, dass mir immer mehr von dem, wie ich aufgewachsen bin, entgleitet. Zu meinem Vater habe ich den Kontakt abgebrochen, das ist jetzt über sechs Jahre her. Mit meiner Mutter kann ich kaum noch über “früher” sprechen. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Kindheit sei garnicht gewesen. Ich gehe krampfhaft meine Erinnerungen durch. Ich will das nicht verlieren und schäme mich gleichzeitig meiner Gefühle. Ich bin erwachsen, und ich würde nicht nochmal ein Kind sein wollen. Meine Kindheit war kein pastellfarbenes Idyll, aber sie gehört zu mir. Ich erinnere mich vor allem an die Gleichzeitigkeit der Gefühle: Eingesperrt sein in der Enge eines Dorfes, in dem meine Eltern nie wirklich angekommen sind und Ausgeschlossen sein von den anderen Kindern und ihren Geheimnissen. Jeder Schritt weg von dort, wo ich aufgewachsen bin, war für mich wie ein kleiner Sieg, ein Befreiuungsschlag, zuletzt Berlin, und manchmal fühlt es sich an, als sei das noch nicht weit genug weg. Und mit jedem dieser Schritte auch ein Stück mehr zu mir selbst finden und vor allem: Menschen, die mich mögen und aushalten, obwohl ich Einzelgängerin bin, immer war. Menschen, die ich mag und aushalte in meinem Spannungsfeld zwischen Freistrampeln und Festklammern.

Ich habe die Bilder durchgesehen und geweint wie lange nicht. Die Fotografien hat zum Großteil mein Vater aufgenommen und es war ein eigenartiges Gefühl, mich durch seine Augen aufwachsen zu sehen. Ich erinnere mich an das Schneiden und Rahmen der Dias, das Klappern der Rähmchen im Magazin.

Dieses Bild, das Kind, das fliegt, kannte ich nicht. Irgendwie hat es mich berührt, mich so zu sehen, diese Konzentration, dieser Mut: ein Kind, das weiß, wie stark es ist. Das Bild habe ich neben meinen Schreibtisch gehängt, fast jeden Tag bleibt mein Blick seitdem kurz daran hängen.

Vor allem haben die Bilder mich nachdenklich gemacht: Das, was ich bin; das, was ich will. Ich habe mir immer meine eigenen Wege gesucht, die oft anders waren als das, was von mir erwartet wurde. Hinter meiner Schüchternheit steckt gleichzeitig auch ein sturer Kopf. Ich schaue zurück auf die letzten zwei, drei Jahre, mein Ringen mit meinem Körper, der nicht will so wie ich will, auf die Trauer, durch die ich gegangen bin, mal leise und nagend, mal laut und heftig. Und dann weiß ich nicht, ob die Krise, die ich heute angesichts von (Hetero-)Paaren mit Kind (und Nr. zwei in Planung) und Reihenhaus im Bekanntenkreis, von Wohnlandschaften mit Flachbildschirm, von Freundinnen, die sich gegen ihren Beruf und “für die Familie” entscheiden, ob meine Abwehrhaltung, mein Meiden des zur Schau gestellten Glücks in den Berliner “In”-Bezirken, ob all das mir sagen will, dass ich neidisch, missgünstig, wasauchimmer bin oder dass es so nicht mein Weg gewesen wäre. Ich war immer mehr für das Provisorische, das Unfertige. Irgendwie beginne ich, mich mit meinen freiwilligen und den unfreiwilligen Umwegen etwas mehr zu arrangieren.

Manchmal kann der erste Schritt auch sein, zu wissen, was man nicht will. Und dann einfach springen, die Arme ausbreiten, davonfliegen, den eigenen Weg finden.

durchatmen bitte!

So lange ist mein letzter Post doch gar nicht her. Und irgendwie ist so viel passiert, dass ich nicht weiß: wo beginnen?

Das Wichtigste: Der Freund hat einen Job. Das Wichtigste deshalb, weil die letzten Monate finanzieller Unsicherheit eine Belastung waren und wir jetzt erstmal durchschnaufen können. Es ist nicht viel, aber es reicht zum Leben, es reicht vor allem, um die Wohnung halten zu können, trotz Auszug der Mitbewohnerin. Weniger Angst, weniger Sorgen, weniger Ungewissheit. So richtig angekommen ist es noch nicht. Wir freuen uns vorsichtig, so wie man im Winter über einen zugefrorenen See schlittert: Langsam und die Ohren geöffnet für jedes Knacken im Eis.

Gerade habe ich Urlaub. Eigentlich sollte mein Vertrag ja Ende Juni enden und ich hatte mir die letzten beiden Juniwochen deshalb vorsorglich frei genommen. Jetzt geht es weiter bis zum Jahresende und ich stand vor der Entscheidung, meinen Urlaub nochmal abzuändern, weil es keine Reisepläne oder ähnliches gab, geschuldet der Situation der letzten Monate. Ich habe mich entschieden, es dabei zu belassen und mir einfach mal zwei Wochen Faulenzen zu gönnen. Seit Samstag bestehen meine Tage also aus Lesen, im Park rumliegen, Erdbeeren essen und den Vögeln in den Baumwipfeln vor unserem Balkon zuhören.  Und ich kann garnicht sagen, wie glücklich ich darüber bin.

kaesekuchen

Und dann, stelle ich beim Blick auf meine Fotos der letzten Wochen fest, war ich handarbeitstechnisch ziemlich fleißig. Zuerst ist die Decke für die Mitbewohnerin fertig geworden und wartet nun darauf, am 13. Juli verschenkt zu werden. Am Ende habe ich ziemlich geflucht, so viel Stoff mit meiner einfachen Nähmaschine zu bearbeiten. Ich habe eine schlichte Nähmaschine von Quelle, allein daran merkt man schon, dass sie schon ein paar Jährchen alt ist. So langsam, habe ich die Befürchtung, gelange ich auf ein Niveau, wo die Maschine nicht mehr alles leisten kann, was mir hilfreich wäre. Ich kenne mich nicht wirklich mit Nähmaschinen aus, aber das Gefühl schleicht sich ein. Gerade ist eine neue Nähmaschine für mich nicht drin, aber irgendwann in den nächsten Jahren wird sie wohl in Rente gehen dürfen.

ankesdeckecollageAußerdem habe ich nach der Anleitung, nach der ich im März ein Kleid genäht hatte, nun eine zweite Version genäht, dieses Mal mit etwas tieferem Ausschnitt. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis, vor allem, weil ich dieses Mal deutlich schneller war und mir die Vorarbeit mit dem Übertragen des Schnitts sparen konnte und nicht alle Arbeitsschritte nochmal nachschlagen musste. Ich sollte tatsächlich mal einen Kurs besuchen, um Grundlagen von Anfang an richtig zu lernen. Was mich stört ist, dass ich oft unsauber arbeite. Da fehlt es dann wohl an Technik, die man sich ohne den prüfenden Blick von jemandem, der oder die es wirklich drauf hat, nur schwer aneignen kann. Trotzdem bin ich natürlich auch ein bisschen stolz auf das, was ich mir in Sachen Nähen in der letzten Zeit beigebracht habe.

sommerblumenkleidcollage

Und zuletzte, weil ich nicht ich wäre, wenn ich nicht stricken würde, wann immer ich kann:

Aus dem Garn Wollmeise/Twin in der Farbe “Olio Vergine”, das nun schon seit über 3 Jahren bei mir lagert, zwei mal angestrickt und wieder aufgeribbelt wurde, darf nun zusammen mit einem zurückhaltenden Grau aus LanaGrossa Sockenwolle eine Strickjacke “Paulie” werden. Nachdem ich bei Ravelry von vielen Schwierigkeiten mit der Passform der Passe gelesen hatte, bin ich froh, dass diese bei mir nicht aufgetreten sind und ich mich ohne Rechnerei an die Anleitung halten konnte. Inzwischen bin ich schon ein Stückchen weiter als auf dem Foto zu sehen. Ich freue mich auf die fertige Jacke, die Farbe ist so wunderbar sonnig und fröhlich. Ich hoffe sehr, dass dieses Gefühl bleibt.

paulie2

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.