kastanienklein

mein herz kastanienklein – meine hände apfelrot – meine augen regengrau

Sommerliches

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Jetzt ist Sommer. Ich stricke fast garnicht, weil es zu warm ist. In den Straßen steht die Hitze, nachts schlafe ich schlecht. Was ich genieße: Den Sonnenschein. Die Abende an der Spree. Wie sich das Leben ein bisschen mehr nach draußen verlagert in diesen Wochen.

Mein Bauch macht mir zu schaffen gerade. Die letzte Woche war stressig, vielleicht ist es das. Es ging mir wirklich lange gut jetzt. Ich versuche zu sehen, dass immer nur bergauf auch irgendwann anstrengend ist. Stand zumindest auf einer Postkarte, die ich kürzlich verschickt habe.

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Ich merke, wie ich ernährungstechnisch in den Zeiten, wo die Arbeit mich mehr fordert als sonst, immer mal wieder auf der Kippe stehe. Aber dass ich auch ganz gut durchhalte. Im Sommer, finde ich, fällt es mir sowieso leichter, mich gesund zu ernähren. Den weggefallenen Arbeitsweg morgens nutze ich, um Gemüse zu schnipseln. Hirse, Linsen, Grünkern, Dinkel sind inzwischen fest in meinen Speiseplan integriert, ohne dass ich weiter darüber nachdenken muss. Mein “warmes Frühstück” unter der Woche ist zur Gewohnheit geworden. Ich merke, wie mir Stress weiterhin sofort auf den Bauch schlägt. Aber andersherum merke ich auch, dass ich meinem Bauch viel Gutes tun kann. Das ist das Neue für mich.

Wie schon angedeutet haben ich zuletzt wenig Zeit mit Handarbeiten verbracht. Am Sonntag wollten wir eigentlich einen Radausflug machen, der dann wegen meiner Schmerzen ausfallen musste. Stattdessen saß ich den Nachmittag über an der Nähmaschine und habe mir eine leichte Sommerhose genäht.

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Dieses Mal nach einem Schnitt, nämlich “Polly” von Schnittchen. Ziemlich viel Zeit ist drauf gegangen zum Zusammenkleben des Schnitts. Weil die Anleitung gleichzeitig auch für ein Shirt ist, das ich aber nicht nähen wollte, habe ich mir nur die entsprechenden Seiten ausgedruckt und zusammengeklebt (und dann auch direkt ausgeschnitten, was wahrscheinlich ein ziemlicher Frevel ist; aber den Nerv, das alles nochmal abzupausen, hatte ich einfach nicht). Ich habe die Hose ohne große Veränderungen nachgenäht. Weil ich zu wenig Stoff hatte und das vordere und hintere Hosenteil nicht nebeneinander auf den Stoff passten, steht das Muster auf der hinteren Seite jetzt auf dem Kopf. Krisenmanagement Note 1, Stoff fast vollständig verbraucht und wer es nicht weiß wird es wohl kaum bemerken.

Ich habe dieses Mal auch wirklich fast nichts zu meckern. Bei der Anleitung habe ich mich ab und an etwas verloren gefühlt und dann so weitergemacht, wie es meiner Meinung nach klappen könnte. Hat es ja dann auch.

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Besonders froh machen mich dieses Mal die Taschen, die mir wirklich sauber gelungen sind.

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Von innen und von außen! Jetzt hoffe ich bloß noch, dass keine doofen Spüche aus der Ecke “Aber das ist doch eine Schlafanzughose!” kommen. Nö, ist es nicht. Und ich gedenke sie morgen zur Arbeit zu tragen. So ist das nämlich.

und weiter

Und weiter geht es. Das Wetter wechselt von Regen nach sonnig, von schwül nach windig nach kühl. Ich versuche die sonnigen Momente zu nutzen und bin viel draußen, viel mit dem Rad unterwegs. Bis auf den nächtlichen Böllerunsinn von der Fanmeile her haben wir den diesjährigen Schlandwahnsinn einigermaßen unbehelligt überstanden. Vielleicht blendet mein Hirn inzwischen auch einfach besser aus. Oder es ist in Berlin wirklich einfacher als in der kleinen Stadt zuvor.

Inzwischen hat sich die Erkenntnis manifestiert: Ich brauche eine bessere Nähmaschine. Vielleicht ist “brauchen” das falsche Wort, man könnte den Satz auch formulieren: Ich wünsche mir/Es wäre großartigst/Mein Nähvergnügen wäre um so vieles vergünglicher. Da die letzten Monate wirklich teuer waren (Behandlungskosten für Mensch und Katze haben ziemlich reingehauen) veräußere ich nun gefühlt unseren halben Besitz (“Brauchen wir das noch? Und das?”). Das Leben fährt irgendwie Zickzack gerade. Aber es ist wieder ok so.

Genäht wurde: Die Hose.

Ja, schon, da bin ich doch ein bisschen stolz. Ein zwischenzeitlicher Anfall von Verzweiflung, als ich die Löcher für die vorderen Hosentaschen in das hintere Stoffteil schnitt. Die Hose ist “selbst entworfen” im Sinne von: Schnitte von verschiedenen vorhandenen Hosen abnehmen und versuchen, das Beste draus zu machen. Die Hosentaschen wurden aus den Jerseyresten vom kürzlich gezeigten Shirt genäht, die Hose selbst aus einem robusten Jeansstoff. Ich kann mich gut darin bewegen, beim Testklettern machte sie einen stabilen Eindruck.

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Oben wird die Hose gehalten von ganz gewöhnlichem dunkelblauen Bündchenstoff, unten sind die Abschlüsse aus grauen Jerseyresten genäht. Der kleine Affe zum Aufbügeln musste unbedingt mit, löst sich allerdings leider schon wieder an den Ärmchen.

Fertig wurde auch die Strickjacke “slanted sleeven” nach einer Anleitung von Ankestrick, die ich insofern abgewandelt habe, dass ich sie deutlich verlängert habe. Weil meine Maschenprobe nicht übereinstimmte, habe ich Größe M gewählt und damit glücklicherweise direkt richtig gelegen. Zwischendurch habe ich gedacht, dieses endlose Strickstück in glatt rechts wird nie anziehfertig. Aber jetzt darf ich mich nach den langen Mühen über ein schönes Basisteil freuen.

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Aktuell stricke ich an einem Ringelpullover, von dem es noch keine blogtauglichen Fotos gibt, der aber abwechslungsreich und gut fürs Gemüt ist. Und ab und zu hole ich auch den “Zweitnuvem” aus der Kiste, der bis zum Winter fertig werden soll und aktuell ein bisschen Sommerschlaf hält. Ein paar Socken für Unterwegs habe ich auch auf den Nadeln, wobei das “Unterwegs” sich durch den weggefallenen Arbeitsweg mit dem ÖPNV ziemlich reduziert hat. Aber das ist ja das Schöne am Stricken: Es braucht seine Zeit, es hat seine Zeit.

manche Tage & andere Tage

verwehteblumen

In diesen Tagen kommt die Trauer. Sie geht einher mit der Frage, ab wann ein Mensch, die Idee eines Menschen, die Möglichkeit einer Möglichkeit, ab wann das etwas ist, worum man trauern kann. Es heißt, unerfüllter Kinderwunsch, sei ein kontinuierlicher Trauerprozess. Einer ohne spezifisches Ereignis. Ich weiß nicht, wie herum es zu beschreiben ist: Schwimme ich durch die Trauer von Insel zu Insel? Oder schwimme ich, und stoße immer wieder auf Inseln der Trauer? Für mich macht es einen Unterschied. Es macht auch einen Unterschied, wenn der Wunsch sich einmal visualisiert ist. Wenn man plötzlich ein Bild in der Hand hält. Nicht mehr als das Bild einer Möglichkeit. Die sich nicht erfüllt hat.

Die Trauer hat sich Zeit gelassen. Vielleicht wartet sie, bis wir stark genug sind, um sie auszuhalten. Im Juni hatte ich so viel Energie und Optimusmus im Gepäck wie lange nicht. Ich weiß, dass ich da jetzt durch muss. Ich weiß, dass andere Tage kommen. Ich weiß, dass keiner kommen wird, um mir zu sagen, dass sich unser Wunsch eines Tages erfüllt. Oder dass er ist nicht tun wird, aber es in Ordnung sein wird.

Mein Körper ist aus dem Takt, der Rest ist es auch. Einer der Bäume vor unserem Fenster ist umgestürzt. Ich sage, ich muss jetzt traurig sein dürfen. Auch wenn es vielleicht nicht jeder versteht.

Ein Wochenende

Die letzte Woche vergessen wir jetzt einfach mal. Bis auf wenige Inseln war sie hektisch und vollgestopft, was vor allem dem derzeitigen Krankenstand auf der Arbeit geschuldet war.

Seit ich nur noch 30 Stunden arbeite, und diese an 4 Tagen in der Woche, merke ich erst richtig, wie viel Raum die Arbeit zuvor eingenommen hat. Mein Wochenende hat jetzt immer 3 Tage und ich kann garnicht sagen, welchen Zuwachs an Lebensqualität mir das beschert hatte. Das Sonntagabendgefühl ist Geschichte (und ich glaube, das ist zum ersten mal in meinem Leben so). Was mir bewusst geworden ist, ist dass der Erholungseffekt eines Wochenendes bei mir scheinbar erst am Sonntagnachmittag, also nach ca. 1,5 Tagen einsetzt. Jetzt passt es einfach.

Meine Wochenenden, wie auch dieses, sind meistens gut gefüllt. Ich versuche  samstags nachzuarbeiten, was unter der Woche liegen geblieben ist. Außerdem ist Samstag der Tag, an dem das Gewohnheitstier in mir es braucht, dass die Wohnung sauber gemacht wird. Unter der Woche kann ich die Katzenhaarflusen, die über den Dielenboden schweben, ja gut ignorieren, wenn ich nach der Arbeit sofort aufs Sofa falle, aber am Wochenende muss ich das einfach auf der innerlichen Liste abgehakt haben, bevor alles andere dran ist. Ein weiteres Samstagsritual: Ausgedehntes Frühstück mit Zeitung (die der Zeitungsverkäufer im neuen Kiez mir inzwischen schon selbstverständlich entgegenstreckt, wenn er mich die Straße runterkommen sieht). Sonntagabends dann der Tatort, der ja aktuell sommerpausenbedingt ausfällt. Und dazwischen viel Zeit, die gefüllt werden möchte.

Dieses Wochenende: Erdbeermarmelade kochen.

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Das Beste daran: Die Zeit danach, in der die Wohnung noch nach Erdbeeren riecht.

Und genäht habe ich.

Eine Schlafanzugshose, die ein Testballon ist in Sachen Hosennähen.

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Denn eigentlich würde ich mir gerne als nächstes eine Hose zum Klettern nähen, ein einfaches Modell ohne großen Schnickschnack. Aktuell bin ich noch auf der Suche nach einem geeigneten Stoff. Am liebsten würde ich einen Baumwollstoff verwenden, allerdings soll er nicht zu  fest (wie z.B. Jeansstoff), einigermaßen reißfest und gleichzeitgig auch zumindest in maßen dehnbar sein. Mit meinen minimalen Kenntnissen finde ich es sehr schwer, einen solchen Stoff online zu kaufen. Und ob ich einen solchen Stoff im Laden vor Ort finde, bezweifle ich aktuell noch. Aber mal sehen.

Dann gab es den zweiten Versuch in Sachen Renfrew Top, dieses Mal aus dickerem Stoff und mit langen Ärmeln:

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Ich muss sagen, dass ich schon fast richtig zufrieden bin. Mich stören noch Details, aber das geht auch ein bisschen in Richtun Gemäkel. Es ist ein tragbarer Pullover entstanden, alltagstauglich und bequem. Die Frage, die sich mir weiterhin stellt, ist ob ich perpektivisch eher in eine bessere Nähmaschine oder in einen anständigen Nähkurs investieren sollte. Ich habe jedenfalls inzwischen so richtig Feuer gefangen…

 

Auszeit

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Eine Woche Urlaub und schon hat die Strickjacke einen Ärmel. Einer fehlt noch, der verflixte zweite Ärmel, der gefühlt immer doppelt so lang ist wie der erste. Auf dem Foto ist die Jacke provisorisch zusammengesteckt, Knöpfe fehlen ebenfalls noch. Ich freue mich auch ein schlichtes, schönes Basisteil. Das helle Braun war wohl eher Liebe auf den zweiten Blick. Etwa zwei Stränge Wollmeise Twin (Farbe: Palomino) habe ich bisher verstrickt, den dritten Strang will ich noch heute wickeln.

Das Pfingstwochenende haben wir genutzt, um Berlin nach langer Zeit mal wieder für ein paar Tage den Rücken zu kehren. Die Fahrt zu meiner Familie dauert mit der Bahn regulär schon 7 Stunden, aber wir hatten dieses Mal wenig Glück und waren auf dem Hinweg 8, auf dem Rückweg 10 Stunden unterwegs. Immerhin überwiegend in klimatisierten Zügen, so dass Stricken kein Problem war (siehe oben).

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Für mich ist es immer auf’s Neue ein Wechsel zwischen den Welten. Der Klang ist ein anderer: Die Sprache, die vokallastige, klangvolle. Die Sprache meiner Mutter, meiner Tante, meiner Großmutter. Die Stille bei Nacht. Das Gurren der Hühner.

Es war viel zu warm, eigentlich, aber viel mehr, als im Garten unter dem Walnussbaum zu sitzen und den Hühnern zuzusehen, hatte ich mir nicht gewünscht. Je älter meine Großmutter wird, desto schwerer fällt der Abschied. Wieder in Berlin, hatte ich für ein paar Tage das Gefühl, mir würde ein Stück fehlen. Aber inzwischen habe ich mich wieder eingelebt. Ich würde nicht weggehen wollen von hier, nicht zurück. Aber seit meine Eltern das Haus verkauft haben, seit so viele  Orte meiner Kindheit außer Reichweite sind, ist die Familie rund um meine Großmutter, wo ich so viele Sommer meiner Kindheit verbracht habe, wo noch jeder Meter vertraut ist, mehr ein Herzensort denn je. Idealisiert, vielleicht. Aber auch ein Teil von mir und meiner Geschichte.

meine Stärke

Ich habe begonnen, wieder regelmäßig Bouldern zu gehen. Nachdem ich am Anfang noch dachte, dass vielleicht durchaus die Möglichkeit besteht, dass ich jetzt an meinem Muskelkater draufgehe, nehme ich inzwischen erfreut zur Kenntnis, wie schnell mein Körper sich wieder darauf eingestellt hat. Wie beweglich ich noch bin, wie robust, wie stark. Daran muss ich manchmal wohl erinnert werden, weil es kein selbstverständlicher Teil meines Selbstbildes ist. Ich gehöre zur klassischen Kategorie “Im Schulsport als Letzte in die Mannschaft gewählt”. Wobei “gewählt” wohl auch noch der falsche Ausdruck ist. Die Mannschaft, die als letztes dran war mit dem Wählen, musste mich halt nehmen.

Erst als ich als Studentin einen Selbstverteidigungskurs besuchte, wurde mir zu meinem Erstaunen bewusst, was ich kann. Ich habe mich danach ein Semester lang durch einen Einstiegskurs in Karate gequält (und mir dabei einen Grundstock an Kondition und Beweglichkeit aufgebaut, von dem ich glaube, bis heute zu zehren), bis ich mich mit dem Trainer angelegt habe, weil er der Meinung war, ich müsse ihn um Erlaubnis bitten, wenn ich die Gruppe verlasse, um einen Moment zu pausieren, weil mir schlecht geworden ist. Ich war anderer Meinung und wechselte in einen Kurs ohne tiefergehende Philosophie, der aus dem Selbstverteidigungskurs hervorgegangen war und in der Hauptsache daraus bestand, sich in einer Gruppe Frauen jeden Freitagabend zu dreschen, was das Zeug hält.  Ich habe gelernt, effektiv zu schlagen, effektiv zu treten, wie ich im Zweifel eine Nase oder einen Finger breche – und vor allem habe ich mich als starke Frau kennengelernt.

Als ich keine Studentin mehr war, konnte ich auch nicht mehr am Unisport teilnehmen und ich habe lange keinen Ersatz gefunden, bis mich die Mitbewohnerin irgendwann zum Klettern mitnahm. Das war eine Heraudforderung für mich, denn ich trage den zweiten Vornamen Höhenangst. Aber ich war erstaunt, wie Beweglichkeit und Kraft aus Kampfsportzeiten abrufbar waren. Als Kompromiss mit der Höhenangst bin ich die Routen einfach zur Hälfte geklettert. Nachdem ich die ersten Male bouldern war, habe ich das Klettern ganz an den Nagel gehängt, bei dem für mich stets weniger die Technik und mehr das Überwinden einer inneren Sperre im Vordergrund stand.

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Etwa ein Dreivierteljahr war jetzt Pause. Der Umzug mit der anschließenden Renovierung, der Jobwechsel, die Verschlimmerung meiner Schmerzen.

Ich kann es noch. Ich warte noch, dass die Kraft wieder die gleiche ist wie vor einem Jahr. Aber ich bin noch stark.

Ich hätte über die letzten Wochen schreiben können, die körperlich eine Tortur waren. Aber ich will es nicht. Nicht darüber, wie es ist, chronisch krank zu sein. Nach der letzten Behandlung habe ich gesagt, dass ich es jetzt ohne Medikamente versuche. Wer soll mir eine Chance geben, wenn nicht ich selbst?

In der letzten Woche hat mich dann einer meiner (seltenen) spontanen Nähanfälle gepackt. Weil einfach ja langweilig wäre und ich beim Nähen dazu neige, meine Fähigkeiten zu überschätzen (und die meiner Nähmaschine ebenfalls), wurde der Entschluss gefasst, ein T-Shirt zu nähen. Der Schnitt (“Renfrew Top”) von Sewaholic war sein Geld absolut wert; gut verständlich, reich bebildert und mit mehreren Kragen- und Ärmelvarianten zur Auswahl.

Hier und da wellt es sich, besonders die Versäuberungen sind nicht so geworden, wie ich es wollte. Aber voilà, es ist ein T-Shirt entstanden.

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Gestrickt habe ich verhältnismäßig wenig in der letzten Zeit, mir stand der Kopf nicht danach. Dafür bin ich, wenn ich gestrickt habe, relativ konsequent bei der Sache geblieben, so dass mir bei der schlichten braunen Strickjacke “slanted sleeven” inzwischen nur noch die Ärmel fehlen, wovon es allerdings kein aktuelles Foto gibt.

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Die Schulterlösung ist wie beim zuletzt gestrickten Diary-Cardigan und damit nicht mehr so fremd. An der Anleitung geklebt habe ich trotzdem bis zum Abteilen der Ärmel. Aber die Mühe ist es, wie ich finde, wirklich wert. Ich finde die Passform der Schulter sehr schön, und das trotz Umrechnen bei abweichender Maschenprobe.

Ende des Monats kann ich hoffentlich ein Foto von der kompletten Strickjacke zeigen.

dieser Frühling

Was ist das bitte für ein Frühling in diesem Jahr? Letztes Jahr gefühlt endlos nur Grau, Kälte und Schnee – und jetzt?

Heute war es wunderbar windig und sonnig, mein liebstes Wetter. Wir waren lange spazieren; gerade läuft Mission “Auf andere Gedanken kommen” relativ erfolgreich. Beim Spaziergang am Wasser entlang hatten wir das Glück, ein paar Winkel fernab von Osterfesten und -picknicks zu finden.

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Vor unserem Fenster brütet eine Krähenfamilie, nachdem sie in den letzten Tagen allerlei in das Bett geschleppt hat. Das Nest ist farbenfroh von bunten Plastikstreifen geschmückt und die beiden Kater sitzen jeden Tag aufgeregt und mit gespitzten Ohren auf dem Fensterbrett und warten, was als nächstes passiert. Etwas, das wir demnächst wirklich angehen müssen, ist eine herausnehmbare Katzensicherung für mindestens eines unserer Fenster, damit die beiden im Sommer auch mal in der Sonne sitzen und Familie Krähe zusehen können.

Gestern ist dann auch die Strickjacke Diary fertig geworden. Begonnen habe ich damit im Februar, so dass ich trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der Anleitung relativ schnell fertig gewesen bin. Unglaublich, aber ich habe es wirklich erst etwa auf Höhe der Taillenabnahmen geschafft mir einzuprägen, wie die Randmaschen gearbeitet werden. Ich hatte das Gefühl, bei dieser Anleitung permanent auf dem Schlauch zu stehen. Dies war mein zweiter Versuch mit der Schulterlösung nach der contigious-Methode und ich bin mit der Passform wesentlich zufriedener als beim ersten Versuch.

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Aktuell stellt sich mir bloß die Frage: Was stricke ich als nächstes? Bis ich mich entschieden habe, stricke ich einfach am Nuvem weiter, in der Hoffnung, dass er dieses Jahr noch fertig werden möge…

 

 

Märzende, verspätetes

apfel

Manchmal überschlägt sich die Welt. Alles gerät aus dem Takt. Da stehe ich und kann nichts tun. Helfen können wollen und Helfen sind zwei unterschiedlich große Schuhe, die ins Stolpern bringen.

Gerade geschieht so viel verschiedenes um mich herum – etwas Trauriges. Etwas Gutes. Etwas Aufregendes. Etwas Unerwartetes.

Ich stehe, sitze, liege hier und versuche, den Überblick zu behalten. Nachdem mich zuletzt eine Erkältung auf dem falschen Fuß erwischt hat und ich ein paar Tage Zwangspause einlegen musste, stellt sich die wenig spektakuläre Erkenntnis ein, dass ich mich vor dem Leben nicht verstecken kann.

Ich fühle mich gesund gerade und irgendwie stärker als die Endometriose. Eigentlich wollte ich heute eine Bilanz nach 2 Monaten Ernährungsumstellung ziehen, aber nach längerem Nachdenken gibt es kaum etwas zu sagen als dass es mir ein Stück von dem Gefühl genommen hat, der Krankheit ausgeliefert zu sein. Ich weiß nicht, wie lange das Gefühl bleibt, aber es ist gut, dass es jetzt da ist. Absurd, dass ich lange davor Angst hatte, mein nächstes Lebensjahrzehnt zu erreichen, weil ich nicht wollte, dass etwas endet. Dabei fängt doch bloß ein neues Jahrzehnt an, und es ist ein weißes Blatt Papier.

sämtliche Wunder

Die letzten Wochen waren ein Regen, ein platschender Starkregen an Erfahrungen, an Geschichten, an Eindrücken. Nachdem ich in meinem letzten Job Menschen über einen längeren Zeitraum habe begleiten dürfen, bin ich jetzt wieder zurück in der Beratungsarbeit, und ich merke, dass es mir gefehlt hatte.  So viele Menschen jeden Tag; eine neue Erfahrung ist für mich, mit Sprachmittlern zu arbeiten. Zuerst hatte ich Sorge, wie es mir damit gehen würde, dass jemand “zwischengeschaltet” ist. Inzwischen merke ich, wie viel in einer Beratung nonverbal passiert; eine Erfahrung, die mich beeindruckt und irgendwie auch gestärkt hat. Draußen ist derweil der Frühling angebrochen, ich habe es beinah ein bisschen verpasst. Heute früh erst habe ich mit einem Mann darüber gesprochen, wie viel schöner es ist, den Beginn des neuen Jahres mit dem Frühling zu feiern, wenn man wirklich auch das Gefühl hat, dass alles neu ist. In diesem Sinne wünsche ich ein wunderbares neues Jahr.

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Wie erwartet ist der rote Zopfpullover im Februar recht bald fertig geworden, seitdem auch schon viel getragen. Erfreulicherweise kann ich das Garn gut auf der Haut tragen. Die Ärmel sind von oben angestrickt, ein bisschen kamikazemäßig drauf los, aber es hat funktioniert und sah auch nach dem Waschen noch brauchbar aus. Durch das Zopfmuster ist der Pullover vergleichweise schwer (ca. 510g), aber beim Waschen nicht ausgeleiert.

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Im Anschluss an dieses Farbwunder brauchte ich ein wenig Kontrastprogramm und habe mit dem Stricken der Jacke “Diary” begonnen, aus dem lange gelagerten und schon zweimal geribbelten Baby-Alpaca von ggh. Ich denke eher nicht, dass diese Jacke hinterher perfekt passen wird, aber zum Einmummeln ist sie genau die Richtige in Kombination mit dem kuscheligen Garn.

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Und nun zu unserem Wunder der letzten Wochen, der schnellen Genesung unseres kleinen Katers Fridolin. Beim Lüften hat er sich unbemerkt ins Zimmer geschlichen und ist vom Fensterbrett gestürzt; aus dem dritten Stock, Altbau. Er hat einen Zahn verloren, sich den Fuß gebrochen, musste operiert werden und Schmerzen, Verband und Halskragen durchleiden. Aber inzwischen ist er fast wieder der Alte. Der Schreck, die Tränen, die Angst, das wirft alles einen kleinen Schatten auf die zurückliegenden Wochen. Unser zweiter (eigentlich erster) Kater, hat in dem Stress eine Bauchspeicheldrüsenentzündung bekommen und, kaum genesen, noch eine ordentliche Erkältung mit Fieber hinterher, so dass wir gerade in die zweite Antibiotikarunde starten.

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Unser tapferes Kätzchen, das uns ein wenig Glauben an Wunder geschenkt hat. Ich wünsche mir, dass davon ein wenig bleibt.

Winternachmittage

Ich mag diese Zeit, diese Zwischenzeit, wenn draußen der Weihnachts- und Neujahrstrubel vorüber ist und die Stadt brachzuliegen scheint im Warten auf den Frühling. Ich mag das Licht, diese besondere Stimmung, wenn die Sonne in dieser Jahreszeit auf- und untergeht. Die Spree ist zugefroren zwischendurch, taut jetzt wieder auf, jeden Tag bleibe ich am Fluss stehen und halte kurz inne und freue mich.

Eine Zwischenzeit war es für mich im wahrsten Sinne des Wortes, die Zeit zwischen zwei Jobs, eine Zeit zum Runterkommen, Nachdenken, Ankommen. In der neuen Wohnung, dem Viertel drumherum, habe ich mich so schnell und so von ganzem Herzen eingelebt, dass ich zwischendurch das Gefühl hatte, es könne einfach enden wie ein wunderbarer Urlaub; als müsse ich nach dem Ablauf einer bestimmten Zeit wieder weg fahren und all das Liebgewonnene zurücklassen. Ich habe das Glück gehabt, eine Stelle zu finden, in der ich 10 Stunden weniger arbeiten muss in der Woche, aber das gleiche verdiene wie zuletzt. Eine Stelle, in der ich Gestaltungsspielraum habe, viel mit entwickeln kann. Eine Stelle, in der ich, so hoffe ich sehr, etwas bewegen kann in einem Bereich, der mir eine Herzensangelegenheit ist. Und, das Beste zum Schluss: Eine Stelle, die 10 Minuten Fußweg von unserer neuen Wohnung entfernt liegt. Da passt plötzlich alles zusammen; ein neues Puzzleteil ist eingesetzt.

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Ich bin einiges angegangen, unter anderem der lange vor mit hergeschobene Arztbesuch, der eine Erklärung für die Schmerzen zutage förderte, die mich nicht glücklich macht. Ich bin wiederholt über die Frage gestolpert, warum mein Körper gegen mich zu arbeiten scheint, auch wenn das absurd ist, weil das nicht trennbar ist: mein Körper vs. ich? Im aktuellen Gedankenkarussell dreht sich auch viel um die immer wieder aufgestellte Behauptung, ein bestimmter Frauentyp sei besonders häufig von der Krankheit betroffen. Ich finde es nach wie vor schwierig, mich auszubalancieren zwischen meiner Verantwortung für mich selbst und der immer wieder zu lesenden Unterstellung, ich (genau wie zahllose andere betroffene Frauen) sei letztlich selbst wesentlich mit verantwortlich für meine Erkrankung. In den letzten Wochen habe ich wieder mehr auf meine Ernährung geachtet, es geht mir besser. Nachdem wir am 10. Januar endlich die alte Wohnung nach 2 Monaten Renovieren endgültig übergeben konnten, ist gleichzeitig eine riesige Last abgefallen. Ich weiß nicht, ob jetzt das eine oder das andere oder vielleicht beides die Ursache sind, aber ich möchte das so beibehalten. Ich hoffe, dass ich mit dem neuen Job unter diesen guten Bedingungen etwas stressfreier leben kann, die nötige Zeit zum Ausruhen habe und weiter so gut ernährungstechnisch auf mich achten kann. Aber ich bin ganz zuversichtlich.

Und ich habe so viel gestrickt! Zöpfe!

Ich finde Zöpfe so schön, bin aber gleichzeitig viel zu faul, sie zu stricken. Umso erstaunlicher, wieviel ich im Januar geschafft habe. Ergebnis Nr. 1 war eine Mütze, der Voleur, den ich vor 2 Jahren schonmal in Rot gestrickt und seitdem viel getragen hatte, dieses Mal in fröhlichem Grau mit einem kontrastfarbenen Bündchen aus dem Restgarn vom Hochzeitstuch:

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Kurz darauf begonnen in einem spontanen Anfall von Stricklust wurde ein roter Zopfpulli, den eine andere Strickerin bei Ravelry nach einem “Vintage-Pattern” gearbeitet hatte. Ich war sofort begeistert! Der Pullover ist nicht aufwändig, er fällt nicht aus dem Rahmen, aber wie lange ich nach so einem schlichten Basisteil gesucht habe für meine wunderschönen roten Stränge in der Farbe “Zimtapfel”… Ich habe in für mich rasantem Tempo gestrickt und wenn ich das weiter so durchhalte, ist der Pullover innerhalb von 4 Wochen fertig geworden. Es kommt selten vor, dass ich so spontan und begeistert etwas anschlage. Eigentlich wäge ich immer sehr lange ab und prüfe meine Entscheidung dann nochmal sehr genau, weil ein Strickstück immer eine Arbeit von mehreren Wochen, oft sogar mehreren Monaten ist. Ich will mir sicher sein, dass ich dranbleibe, sowohl rein praktisch gesehen in Bezug auf das Stricken, aber auch emotional. Ich will nicht, dass ein Strickstück mich irgendwann nervt. Für mich macht ein großes Stück meiner Freude am Stricken auch aus, dass aus meiner Sicht jeder Schritt in dem Prozess seinen Reiz hat. Von der Entwicklung einer Idee, der Planung und den ersten Reihen, dem Genuss zu sehen, wie ein Strickstück wächst, wie Erwartungen sich erfüllen oder zwischendurch umgedacht werden muss, der optische und haptische Genuss; die Freude, zwischendurch das Strickstück vor sich auszubreiten und zu betrachten, wie es gewachsen ist, bis hin zum Endspurt, den manchmal quälenden Stunden durch die letzten Reihen, bevor das Strickstück gebadet und getrocknet wird. Und dann natürlich: Es im Alltag zu tragen. Jedes dieser Werke hat mich ein Stück durch mein Leben begleitet, an jedem Strickstück hängen Erinnerungen.

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Heute war mein erster Arbeitstag, vielversprechend und aufregend. Jetzt ist mein Kopf müde von all den Eindrücken. Mehr zu berichten gibt es dann hoffentlich, wenn der Pullover seinen zweiten Ärmel hat.

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