kastanienklein

mein herz kastanienklein – meine hände apfelrot – meine augen regengrau

Herbst.Stille.

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Dieser Herbst, in dem die Bahnen nicht fahren. In dem die Wochenenden still sind. Wenn ich an das letzte Jahr denke: Da stand ein Umzug bevor; da war klar, dass ich meine Arbeit verlieren würde. Jetzt ist dieser Ort schon so vertraut. Es hat sich alles gefügt, irgendwie. Ich denke manchmal: Nach vorne blickend bin ich meistens Pessimistin. Und im Blick zurück nie.

Viel nachgedacht habe ich, wie immer. Angst gehabt vor einer Verdachtsdiagnose, die sich zum Glück nicht bestätigt hat. Glücklich gewesen, dass es gerade irgendwie “läuft”, trotz der Schmerzphasen. Vor ein paar Jahren noch habe ich mich mit viel mehr Beschwerden rumschlagen dürfen. Ich bin stark genug für das. Ich habe mich gefragt, wenn Mütter Superheldinnen sind, was sind dann Frauen, die keine Mütter sein können? Und dass es garkein Wort gibt, das mir einfällt für uns Nicht-Mütter.

Jetzt riecht es draußen schon nach Winter. Ich finde es schön. Ich bleibe stehen und sehe den Blättern zu, die der Baum regnet. Bald wird er ganz leer sein. Morgens steht in der Luft noch die Feuchtigkeit der Dämmerung. Wenn die Sonne durch das Fenster scheint, legen die Katzen sich in die Streifen, die das Licht auf den Boden malt. Teetassen wärmen Hände. Kastanien fallen knallend auf Autodächer. Ich weiß, warum ich den Herbst mag.

Nach langer Zeit mal wieder ein Strickprojekt, das fertig wurde (und mich genau einen Monat beschäftigt hat):

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Die Anleitung nennt sich Toast Wrap und ihr findet sie kostenlos auf Ravelry. Gestrickt habe ich sie aus Resten, verbraucht habe ich insgesamt 200g Garn. Ich merke mal wieder, dass ich beim Musterstricken am besten abschalten kann. Das Muster motiviert mich und treibt mich voran, es ist nach kurzer Zeit verinnerlicht. Ich konzentriere mich vollständig auf das Strickstück, zähle innerlich mit. Dann bin ich mal eine Weile ganz weg von allen Gedanken. Am Ende habe ich einen schönen Halswärmer, der mich durch diesen Herbst begleiten wird.

für andere

Meistens handarbeite ich für mich selbst. Nur wenn andere Menschen explizit Wünsche an mich herantragen oder ich sicher weiß, dass der/die Beschenkte sich auch über das Ergebnis freuen wird, investiere ich diese Zeit. Zum Geburtstag hat meine Mutter sich mit reichlich Vorlaufzeit einen Bezug für ihr kleines Schlafkissen gewünscht. Einen solchen Bezug hatte ich ihr in Grün- und Rosatönen vor ein paar Jahren schonmal genäht; inzwischen zeigt er aber deutliche Abnutzungserscheingungen.

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Das Nähen hat mir wirklich viel Freude gemacht und ich habe auch nicht so besonders lange gebraucht. Jetzt habe ich noch einiges an Stoffresten übrig und überlege, was ich daraus mache. Eigentlich bin ich ja nicht so die Kleinteilenäherin.

Das größte, das ich je für jemand anderen als mich selbst genäht habe, war die Abschiedsdecke für die Mitbewohnerin, über die ich vor mehr als einem Jahr geblogt habe.

Hin und wieder stricke ich auch für andere. Eine Mütze vorletztes Jahr zum Geburtstag für die Mitbewohnerin, die sie leider Anfang dieses Jahres in der Tram verloren hat. Für das Baby einer guten Freundin eine geringelte Hose und einen Pullover, bei dem es mir schwer gefallen ist, ihn herzugeben.

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Dem Liebsten habe ich mal einen schwarzen Pullover gestrickt (das ist Liebe, weiß die Strickerin!) und meine Mutter wünscht sich einmal jährlich ein Paar Socken, am liebsten aus der Sockenwolle von Opal. Eine Zeit lang habe ich die neugeborenen Babys um mich herum mit bunten Söckchen bestrickt, aber irgendwie fehlt mir in letzter Zeit die Energie dazu und die Freude daran.

Das ist das Wesentliche für mich am Stricken für andere: Ich will mich damit nicht rumquälen. Daher begrenze ich es und kommuniziere nach Außen nicht “Klar stricke ich das für Dich!”. In jedem Strickprojekt stecken für mich mindestens mehrere Tage Arbeit, oft sogar mehrere Wochen. Meine Strickzeit ist begrenzt. Da wäge ich ab.

Und doch freue ich mich sehr, wenn ich mit einem Stück Handarbeit von mir einem lieben Menschen eine Freude machen kann. Und ihn dieses Stück Handarbeit im besten Fall ein Stück seines Lebens begleitet.

Ein Fenster offen

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Jetzt ist er da, der Herbst, und ich genieße das Gefühl, wie das Jahr sich langsam in Erinnerungen auflöst. Die vergangenen 3 Wochen waren anstrengend in vielerlei Hinsicht und ich fühle mich, als sei ein Fenster offen, durch das es hineinregnet; als habe der Wind ein paar Ziegel vom Dach geweht, das Gebälk offengelegt. Ich merke, wie ich gerade mit Scheuklappen durch die Welt renne und bemüht bin, mich vor allem zu beschützen, das schmerzhaft sein könnte und wie sehr es mich gleichzeitig ermüdet, permanent vor mir selbst auf der Flucht zu sein.

Dieses Wochenende habe ich mit Schmerzen auf dem Sofa verbracht, was zwar nicht schön war, aber immerhin zur Langsamkeit gezwungen hat. Ich bin müde von den Schmerzen, Kopf und Körper sind müde, ich fühle mich nur so halb da unter der Kombination von 2 Schmerzmedikamenten, von denen mich eine schläfrig und das andere bauchschmerzig macht. Nur noch den Tag morgen irgendwie rumkriegen, dann wieder zu Kräften kommen und die kommenden 3-4 Wochen ausnutzen, um alles machen zu können, das danach wieder nicht geht. So langsam füge ich mich wieder in den Rhythmus, der in den letzten Jahren Langzeitzyklus fast vergessen war.

Der erste, der eine Meinung zu meinen Regelschmerzen hatte, war mein Sportlehrer in der 7. Klasse. Er teilte mir mit, mit einem Gynägologen gesprochen zu haben und daher zu wissen, dass Regelschmerzen “kein Grund” seien. Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich meiner Mutter bin, dass sie meine Schmerzen insofern ernst nahm, dass ich trotzdem krank zuhause bleiben durfte oder eine Entschuldigung für den Sportunterricht bekam, ohne Diskussion. Ich frage mich, warum ich 27 Jahre alt werden musste, bevor mir mal jemand gesagt hat, dass Schmerzen diesen Ausmaßes nicht normal sind. Dass Blutungen diesen Ausmaßes nicht normal sind. Als Teenager habe ich einmal innerhalb von Sekunden das Sofa meiner Eltern ruiniert. Einmal saß ich im Schulbus und hatte meine Schmerzmittel vergessen und ich wusste, ich werde nicht nach Hause laufen können. Das Gefühl, keine Kontrolle über den Körper zu haben, dass das alles wie eine Naturgewalt ist. Ich habe mich da irgendwie durchgeschlängelt, mein Leben um meinen Zyklus provisorisch herumgezimmert. Als ich irgendwann einen Freund hatte, habe ich begonnen, die Pille zu nehmen. Und mir damit einige Jahre Normalität verschaffen können.

Aus dieser meiner Gechichte heraus bin ich oft sehr ambivalent, wenn es darum geht, wie frau mit ihrem Zyklus, ihrer Menstruation, ihrer (Un-)Fruchtbarkeit umgehen sollte. Ich erlebe, wie die konventionelle Medizin oft als unzulässiger Eingriff in das natürliche Funktionieren des weiblichen Körpers wahrgenommen wird. Ich bin hin und her gerissen, wie ich zu diesen Themen stehen soll/will, mit meinem Körper, der ohne Unterstützung eben nicht so funktioniert, wie er soll, auch nicht mit viel Geduld und Spucke. Besonders groß ist meine Ambilvalenz da, wo ich erlebe, wie der weibliche Körper aufgewertet wird angesichts des Wunders, das er vollbringt. Wo Fruchtbarkeit und Menstruation mit Weiblichkeit gleichgesetzt werden. In den Monaten nach der Diagnose habe ich mich meiner Weiblichkeit beraubt gefühlt; da hatte ich das Gefühl, ich bin ein Möbelstück, eine Sache, ein Zwischending.

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Kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass es letztlich nicht wichtig ist, was einem am Ende hilft, sondern dass viel entscheidender ist, dass wir das Gefühl haben, wieder Herrin der Lage zu sein. Dass ich vor Monaten die Pille wieder abgesetzt habe, war meine freie Entscheidung, ebenso wie es zuvor meine Entscheidung war, sie zu nehmen. Beides war richtig für mich. Und ich kann nicht sagen, wohin es sich entwickelt und wo ich in einem halben Jahr stehe.

Ein Jahr und ein Tag

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Schon ein Jahr und ein Tag. Verrückt, oder?

Es geht uns gut, nicht weniger, vor allem das ist wichtig. Ich merke, wie ich langsamer geworden bin, wo ich vorher immer im Eiltempo unterwegs war. Es war eine gute Entscheidung für uns, unsere Minihochzeit (zu fünft inklusive uns). Mit der U-Bahn hingefahren, mit der S-Bahn zurück. Vor dem Fernsehturm eine Limo getrunken und die Sonne genossen. Ein wenig gefeiert mit lieben Menschen. Früh schlafen gegangen. Und mit Freude ins kommnde Jahr geblickt.

3 Wochen

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3 Wochen, die viel zu schnell vergangen sind. 3Wochen arbeitsfrei, zwei davon in Berlin, eine auf Sizilien.

Ich habe: Brandenburg mit dem Rad erkundet. Einen Vulkan bestiegen (ok, nicht bis ganz oben). Das Sofa dahin gestellt, wo vorher das Bücherregal stand und das Bücherregal dahin, wo vorher das Sofa stand und das Zimmer ist jetzt ein Tanzsaal (ok, nur fast). Endlich mal wieder ein Buch bis zum Ende gelesen. Eine Jacke genäht. Einen Rock genäht. Sonnenuntergänge angesehen. Im Meer meine Füße von kleinen Fischen kitzeln lassen.

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Morgen geht es weiter mit der Arbeit. Ich habe mich schwer getan, wieder zurückzufinden. In den Herbst von 0 auf 100. Heute war ich in Sandalen unterwegs und wurde kritisch beäugt. Es wird schon wieder so früh dunkel. Dabei war ich doch gerade noch dort, wo das Meer türkis ist.

Mein letztes (zwischendurch reichlich verregnetes) Urlaubswochenende habe ich überwiegend mit Nähen verbracht (und da hat er mich wohl eingeholt, der Herbst). Wie schon angekündigt habe ich die Anleitung “Minoru Jacket” von Sewaholic verwendet und dank der ausführlichen Anleitung und des noch ausführlicheren Tutorials zum Sew-Along hatte ich wirklich keine nennenswerten Probleme. Die Materialbeschaffung hat mich kreuz und quer durch Berlin geführt (Oberstoff: Hücu, Futter I: Volksfaden, Futter II: Frau Tulpe, Reißverschluss: Knopfloch). Ich habe die Jacke mit Taschen (das Tutorial findet ihr über den Sew-Along), ohne Kapuze (trage ich eh nie) und mit 6 cm kürzeren Ärmeln genäht, sonst genau nach Anleitung.

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Mit im Bild seht ihr meinen zweiten Versuch in Sachen Holyburn-Rock, dieses Mal aus braunem Cord und mit komplikationslos eingenähtem Reißverschluss. Die grüne Variante aus meinem letzten Post hat im Sommerurlaub gute Dienste geleistet.

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Mit dem Ergebnis bin ich richtig, richtig glücklich. Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Jacke nähen kann, aber Versuch macht klug. Jetzt darf der Herbst gerne bleiben.

Erfolgserlebnisse

So langsam gewöhnen wir uns aneinander, Gundi und ich. Ein kurzer Lagebericht:

Zunächst habe ich zum dritten Mal das Renfrew-Top von Sewaholic genäht, dieses Mal wieder mit kurzen Ärmeln. Ich habe dieses Mal wirklich nichts auszusetzen: ein tolles Gefühl! In den orangefarbenen Stoff mit den weißen und blauen unregelmäßigen Karos war ich sofort verliebt, als ich ihn zum ersten Mal bei Frau Tulpe hier in Berlin gesehen habe. Bei einer Stoffbreite von 140cm komme ich auch mit ca 80cm Stofflänge für ein T-Shirt aus (in der Anleitung ist ein viel höherer Stoffverbrauch angegeben).

Danach habe ich mich an den Holyburn-Rock, ebenfalls von Sewaholic, gewagt. Ich bin sehr angetan, wie gut man durch die Anleitung geleitet wird. Der Text in Kombination mit der Bebilderung ist für mich als Anfängerin gut verständlich. Ich habe nicht diese Momente völliger Ratlosigkeit, die ich bei anderen Anleitungen noch recht häufig habe. Der Reißverschluss ist noch nicht so richtig perfekt eingearbeitet, er gibt eine “Welle” nach Außen. Aber für den ersten Versuch bin ich durchaus zufrieden. Perspektivisch empfiehlt sich wohl zu lernen, wie man einen Rock füttert – übergangsweise muss ich mich dann erstmal mit dem Thema Unterrock auseinandersetzen, denn der Rock tendiert dazu, am Bein hinauf zu wandern.

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Motiviert von diesen Erfolgserlebnissen habe ich mir nun auch noch die Anleitung für die Jacke “Minoru” gekauft. Die Anleitung ist schon angekommen und aktuell bin ich auf Stoffsuche. Richtig losgehen wird es dann wohl erst nach dem Italienurlaub. Aber ich freue mich, jawohlja!

Frauen und Kinder zuerst

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Alle jammern, dass der Sommer gegangen ist. Ich freue mich auf den Herbst. Das Licht ist das Schönste.

Ich habe mich über den Begriff “Frauenkrankheit” geärgert. Sollen sie reden von wertneutral. Frauenkrankheit und Kinderkrankheiten und Krankheiten. Immer dieselben Schubladen.

Es gibt Tage, da denke ich: Jetzt habe ich das lange genug ausgehalten; jetzt ist mal ein Anderer dran. Oder: eine Andere. Es gibt Tage, da ist nichts. Es gibt kein: Wie immer.

Da nimmt man halt eine Wärmflasche, sagte einst eine (Haus-)Ärztin. Ohne meine Wut zu verstehen. Frauenkrankheit heißt auch: Das gehört halt dazu, dass Du Schmerzen hast.

Das Hin und Her zwischen Schmerztabletten (gegen den Schmerz) und Magentabletten (gegen den Schmerz von den Schmerztabletten), das Horchen hinein und das Abwarten. Eine Woche mit, eine Woche ohne. Das Hadern, ob wieder eine Op, noch einmal geplant statt jedes Mal nur der Notfall sein. Die Ärztin sagt zu mir: Sie kennen sich am besten – und ich bin froh, eine gefunden zu haben, die mir das glaubt. Vielleicht noch bevor ich es mir selbst geglaubt habe.

Noch zwei Tage Arbeiten, dann endlich Herbst, Zuhausesein und Urlaub.

Nähwochenenden

Da ist es nun, mein neues Maschinchen. Hört auf den Namen “Die rote Gundi”. Eigentlich war ich ja um ein anderes Modell herumgeschlichen in den letzten Wochen und hatte die Anschaffung auf den November verschoben, wenn das Weihnachtsgeld kommt. Aber nun war unverhofft genug Geld da und meine erste Amtshandlung nach dieser Neuigkeit war, die neue Nähmaschine zu bestellen.

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In den letzten beiden Wochen habe ich gefühlt jede freie Minute zum Nähen genutzt. Was mich im Vergleich zu meiner alten Maschine begeistert ist, wie leise sie näht. Es gibt einen automatischen Einfädler und die Spule muss nur noch in den Tisch gelegt werden. Es ist nicht alle 10 Minuten ein Fadenknäuel zu entwirren, es reißt nicht alle 5 Minuten der Oberfaden. Wie entspannend es ist, einfach vor sich hinnähen zu können, ohne sich ständig über seine bockige Maschine aufregen zu müssen. Die Maschine näht ohne Pedal mittels Knopfdruck, woran ich mich schnell gewöhnt habe. Die Programme werden über den kleinen Bildschirm ausgewählt, der einem auch gleich mitteilt, welcher Nähfuß gerade gebraucht wird. Dazu hat die Maschine jede Menge Zierstiche, mit denen ich mit bisher aber noch nicht so intensiv auseinander gesetzt habe. Schreiben kann sie auch. Hach, Gundi…

Als erstes habe ich aus einem alten Bettbezug ein Kissen für den Herzenskater genäht. Bisher lag er auf “seinem” Sessel auf einer alten Decke, und wer weiß, wie mühsam es ist, jede Woche eine Decke mittels Staubsauger von einer dicken Schicht Katzenhaare zu befreien, wird wohl nachvollziehen können, warum ich als erstes dieses Kissen in Angriff nehmen wollte. Damit Herr Kater es schön kuschelig hat, wurde für das Innenleben 3 Schichten dicker Volumenvlies zusammengenäht, was dank des mitgelieferten Obertransportfußes kein Problem war. Leider gibt es kein Foto mit Kater – bitte ein rotes, schlecht gelaunt drein blickendes Tier einfach dazudenken:

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Danach habe ich mich mit dem Nähen von Jersey auf der Maschine auseinandergesetzt und außerdem dem Shirt Liv (von pattydoo) mit U-Boot-Ausschnitt eine zweite Chance gegeben. Das endete beim letzten Versuch ein bisschen katastrophig, weil ich mit der bebilderten Anleitung nicht klarkam, das übersteigt wohl einfach noch meine Fähigkeiten. Im zweiten Versuch jetzt ist es nicht perfekt, aber besser und tragbar.

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Unter der Woche habe ich dann noch an einem Rock nach einem Onion-Schnitt genäht, den ich vor Jahren mal gekauft hatte. Aus Faulheit (und wegen mangelnder Dänischkenntnisse) mit Rippenbündchen. Aus dem Stoff wollte ich mir eigentlich eine kurzärmlige Bluse nähen, hatte aber irgenwie verplant, dass der Schnitt erst bei Größe 40 losging und über mehrere Größen verkleinern war einfach nicht möglich. Mit dem Rock bin ich aber auch ganz froh. Den Stoff finde ich wunderschön. Für das nächste Wochenende habe ich einen Rock nach dem Schnitt Hollyburn von Sewaholic in Planung, der auch schon eine ganze Weile hier in der Schublade liegt. Aber das ist dann schon wieder etwas anspruchsvoller, das wollte ich nicht müde und ungeduldig nach der Arbeit machen.

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Und der Rock ist nicht schief, eigentlich.

Dieses Wochenende habe ich noch Unterhosen aus den Jerseyresten genäht, was eine Möglichkeit ist, die mich wirklich begeistert. Es ist ein großartiges Gefühl, so einen großen Prozentsatz der eigenen Kleidung selbst herstellen zu können.

Noch eine Woche arbeiten, diese Woche – wie schon in der letzten – ausnahmsweise 5 Tage statt der üblichen 4. Aber danach: 3 Wochen Urlaub. Ich freue mich!

niemals Stille

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Diese Stadt steht nicht still. Immer Bewegung, immer Geräusch. Ich würde nicht tauschen wollen, würde um nichts außerhalb der Stadt wohnen wollen. Aber manchmal brauchen meine Augen Grün, manchmal braucht mein Kopf Weite. Für reichlich Grün sorgt dieser Sommer, er ist bunt und blühend und lebendig. Die Aufnahmen habe ich alle im Tiergarten gemacht, für uns der “Park um die Ecke”, den ich im Winter noch furchtbar fand, mit dem ich mich jetzt im Sommer langsam anzufreunden beginne.

Alles ist gut gerade, das will ich sagen. Ich habe viel Glück, ich habe viel Grund zur Freude und Zufriedenheit. Ich bin froh darüber, wie die Dinge gerade sind. Manchmal stehe ich hier und kann es kaum fassen. Dann denke ich an meine Wünsche von vor 10 Jahren. Welche Wünsche ich mir erfüllt habe. Und wo es anders gekommen ist.

Ich habe mir immer eine Katze gewünscht und es hat lange gedauert, bis ich mir diesen Wunsch erfüllen konnte. Jetzt habe ich zwei verrückte Kater, die mein Leben manchmal ganzschön durcheinanderwirbeln. Aber die gleichzeitig der Garant dafür sind, dass ich mindestens einmal am Tag lachen muss, egal was ist. Ich habe mir immer gewünscht, nach Berlin zu gehen. Ich habe als Kind “Die roten Matrosen” gelesen und zu meinen Eltern gesagt: Dort muss ich hin. Ich habe Berlin gesehen und gewusst: Dort muss ich bleiben. Vom Wunsch bis zur Erfüllung waren es mehr als 15 Jahre. Eine Katze habe ich mir gewünscht, so lange ich denken kann. Mein Bruder ist starker Allergiker, später hat es dann nicht gepasst in WGs, der Vermieter war dagegen, und einmal, da wäre beinah der Kater Freddy bei uns eingezogen, doch dann rief die Katzenhilfe an und sagte, er sei verstorben. Als endlich mein Kater bei uns einzog, war ich 27 Jahre alt. Und vielleicht war es ja richtig zu warten, weil dieser Kater wirklich mein Kater ist, weil er und ich einen gemeinsamen Rhymthmus haben, eine uns einende Griesgrämigkeit und jeder für sich einen Sturkopf, der seinesgleichen sucht.

Ich frage mich, wie lange ich auf unser Kind warten muss. Wir warten seit 5 Jahren. Ich schaue zurück, schaue nach vorne. Manche Dinge verändern sich. Der Wunsch bleibt. Manchmal frage ich mich, ob es ok ist, sich etwas so lange zu wünschen. Ich glaube, es ist für viele mit dem Gefühl von Scham verbunden. Für mich wohl auch, manchmal. So vieles ist machbar geworden oder trägt die Illusion von Machbarkeit. Was nicht machbar ist, drängt uns in die Passivität. In diesem Spannungsfeld gibt es eine ganze Ansammlung von Schubladen, in die man gesteckt werden kann (oder sich selber steckt), je nach Blickwinkel, je nach Betrachter_in. Hin und wieder ist es notwendig, dass ich mich freischaufele aus den gefühlten Erwartungshaltungen. Dann ist es, als müsse ich Tonscherben wieder zusammenpuzzeln. Ja, ich sehne mich nach einer Schwangerschaft, einem Kind, trotz aller Wahrscheinlichkeiten. Ja, ich bin Feministin. Ja, ich bin glücklich. Nein, ich habe nicht immer nur noble Gefühle gegenüber Anderen. Nein, ich möchte damit gerade nicht abschließen.

Das Leben passiert, und ich glaube nicht an einen Weg, an eine/n Macher_in, an Ausgleich und Gerechtigkeit. Diese Schuhe sind mir zu groß, darin kann ich nicht laufen.

 

Was ich gestrickt habe: Wenig. Dafür die Nähmaschine bestellt, ein unverhoffter Geldsegen erleichterte die Entscheidung enorm. Sobald sie da ist, einen Namen trägt und die ersten Stiche genäht hat, wird sie vorgestellt werden.

Im Moment sitze ich gerne abends am offenen Fenster und stricke noch ein paar Reihen, solange das Licht noch reicht. Aktuell den “Laneway” von Veera (zu finden auf ravelry), der eigentlich eine Tunika ist, den ich aber, wie einige andere vor mir, als Pullover arbeite.

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Für Streifen bin ich ja sowieso immer zu haben, aber mit der leichten Asymetrie hat dieser Pullover noch das klitzekleine gewisse Etwas. In das neue Grau “13AL” von der lieben Wollmeise bin ich sehr verliebt, weil es mir erstaunlicherweise gut steht und wunderschön subtile Nuancen hat, die mit der Kamera schwer wiederzugeben sind. Die Ringel in Weiß und Blau sind aus Resten gestrickt. Jeden Abend ein paar Reihen, aber der Herbst ist ja noch weit hin; so fühlt es sich an. Der Sommer darf noch ein wenig bleiben.

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Jetzt ist Sommer. Ich stricke fast garnicht, weil es zu warm ist. In den Straßen steht die Hitze, nachts schlafe ich schlecht. Was ich genieße: Den Sonnenschein. Die Abende an der Spree. Wie sich das Leben ein bisschen mehr nach draußen verlagert in diesen Wochen.

Mein Bauch macht mir zu schaffen gerade. Die letzte Woche war stressig, vielleicht ist es das. Es ging mir wirklich lange gut jetzt. Ich versuche zu sehen, dass immer nur bergauf auch irgendwann anstrengend ist. Stand zumindest auf einer Postkarte, die ich kürzlich verschickt habe.

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Ich merke, wie ich ernährungstechnisch in den Zeiten, wo die Arbeit mich mehr fordert als sonst, immer mal wieder auf der Kippe stehe. Aber dass ich auch ganz gut durchhalte. Im Sommer, finde ich, fällt es mir sowieso leichter, mich gesund zu ernähren. Den weggefallenen Arbeitsweg morgens nutze ich, um Gemüse zu schnipseln. Hirse, Linsen, Grünkern, Dinkel sind inzwischen fest in meinen Speiseplan integriert, ohne dass ich weiter darüber nachdenken muss. Mein “warmes Frühstück” unter der Woche ist zur Gewohnheit geworden. Ich merke, wie mir Stress weiterhin sofort auf den Bauch schlägt. Aber andersherum merke ich auch, dass ich meinem Bauch viel Gutes tun kann. Das ist das Neue für mich.

Wie schon angedeutet haben ich zuletzt wenig Zeit mit Handarbeiten verbracht. Am Sonntag wollten wir eigentlich einen Radausflug machen, der dann wegen meiner Schmerzen ausfallen musste. Stattdessen saß ich den Nachmittag über an der Nähmaschine und habe mir eine leichte Sommerhose genäht.

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Dieses Mal nach einem Schnitt, nämlich “Polly” von Schnittchen. Ziemlich viel Zeit ist drauf gegangen zum Zusammenkleben des Schnitts. Weil die Anleitung gleichzeitig auch für ein Shirt ist, das ich aber nicht nähen wollte, habe ich mir nur die entsprechenden Seiten ausgedruckt und zusammengeklebt (und dann auch direkt ausgeschnitten, was wahrscheinlich ein ziemlicher Frevel ist; aber den Nerv, das alles nochmal abzupausen, hatte ich einfach nicht). Ich habe die Hose ohne große Veränderungen nachgenäht. Weil ich zu wenig Stoff hatte und das vordere und hintere Hosenteil nicht nebeneinander auf den Stoff passten, steht das Muster auf der hinteren Seite jetzt auf dem Kopf. Krisenmanagement Note 1, Stoff fast vollständig verbraucht und wer es nicht weiß wird es wohl kaum bemerken.

Ich habe dieses Mal auch wirklich fast nichts zu meckern. Bei der Anleitung habe ich mich ab und an etwas verloren gefühlt und dann so weitergemacht, wie es meiner Meinung nach klappen könnte. Hat es ja dann auch.

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Besonders froh machen mich dieses Mal die Taschen, die mir wirklich sauber gelungen sind.

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Von innen und von außen! Jetzt hoffe ich bloß noch, dass keine doofen Spüche aus der Ecke “Aber das ist doch eine Schlafanzughose!” kommen. Nö, ist es nicht. Und ich gedenke sie morgen zur Arbeit zu tragen. So ist das nämlich.

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