kastanienklein

mein herz kastanienklein – meine hände apfelrot – meine augen regengrau

Ein Jahr und ein Tag

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Schon ein Jahr und ein Tag. Verrückt, oder?

Es geht uns gut, nicht weniger, vor allem das ist wichtig. Ich merke, wie ich langsamer geworden bin, wo ich vorher immer im Eiltempo unterwegs war. Es war eine gute Entscheidung für uns, unsere Minihochzeit (zu fünft inklusive uns). Mit der U-Bahn hingefahren, mit der S-Bahn zurück. Vor dem Fernsehturm eine Limo getrunken und die Sonne genossen. Ein wenig gefeiert mit lieben Menschen. Früh schlafen gegangen. Und mit Freude ins kommnde Jahr geblickt.

3 Wochen

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3 Wochen, die viel zu schnell vergangen sind. 3Wochen arbeitsfrei, zwei davon in Berlin, eine auf Sizilien.

Ich habe: Brandenburg mit dem Rad erkundet. Einen Vulkan bestiegen (ok, nicht bis ganz oben). Das Sofa dahin gestellt, wo vorher das Bücherregal stand und das Bücherregal dahin, wo vorher das Sofa stand und das Zimmer ist jetzt ein Tanzsaal (ok, nur fast). Endlich mal wieder ein Buch bis zum Ende gelesen. Eine Jacke genäht. Einen Rock genäht. Sonnenuntergänge angesehen. Im Meer meine Füße von kleinen Fischen kitzeln lassen.

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Morgen geht es weiter mit der Arbeit. Ich habe mich schwer getan, wieder zurückzufinden. In den Herbst von 0 auf 100. Heute war ich in Sandalen unterwegs und wurde kritisch beäugt. Es wird schon wieder so früh dunkel. Dabei war ich doch gerade noch dort, wo das Meer türkis ist.

Mein letztes (zwischendurch reichlich verregnetes) Urlaubswochenende habe ich überwiegend mit Nähen verbracht (und da hat er mich wohl eingeholt, der Herbst). Wie schon angekündigt habe ich die Anleitung “Minoru Jacket” von Sewaholic verwendet und dank der ausführlichen Anleitung und des noch ausführlicheren Tutorials zum Sew-Along hatte ich wirklich keine nennenswerten Probleme. Die Materialbeschaffung hat mich kreuz und quer durch Berlin geführt (Oberstoff: Hücu, Futter I: Volksfaden, Futter II: Frau Tulpe, Reißverschluss: Knopfloch). Ich habe die Jacke mit Taschen (das Tutorial findet ihr über den Sew-Along), ohne Kapuze (trage ich eh nie) und mit 6 cm kürzeren Ärmeln genäht, sonst genau nach Anleitung.

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Mit im Bild seht ihr meinen zweiten Versuch in Sachen Holyburn-Rock, dieses Mal aus braunem Cord und mit komplikationslos eingenähtem Reißverschluss. Die grüne Variante aus meinem letzten Post hat im Sommerurlaub gute Dienste geleistet.

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Mit dem Ergebnis bin ich richtig, richtig glücklich. Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Jacke nähen kann, aber Versuch macht klug. Jetzt darf der Herbst gerne bleiben.

Erfolgserlebnisse

So langsam gewöhnen wir uns aneinander, Gundi und ich. Ein kurzer Lagebericht:

Zunächst habe ich zum dritten Mal das Renfrew-Top von Sewaholic genäht, dieses Mal wieder mit kurzen Ärmeln. Ich habe dieses Mal wirklich nichts auszusetzen: ein tolles Gefühl! In den orangefarbenen Stoff mit den weißen und blauen unregelmäßigen Karos war ich sofort verliebt, als ich ihn zum ersten Mal bei Frau Tulpe hier in Berlin gesehen habe. Bei einer Stoffbreite von 140cm komme ich auch mit ca 80cm Stofflänge für ein T-Shirt aus (in der Anleitung ist ein viel höherer Stoffverbrauch angegeben).

Danach habe ich mich an den Holyburn-Rock, ebenfalls von Sewaholic, gewagt. Ich bin sehr angetan, wie gut man durch die Anleitung geleitet wird. Der Text in Kombination mit der Bebilderung ist für mich als Anfängerin gut verständlich. Ich habe nicht diese Momente völliger Ratlosigkeit, die ich bei anderen Anleitungen noch recht häufig habe. Der Reißverschluss ist noch nicht so richtig perfekt eingearbeitet, er gibt eine “Welle” nach Außen. Aber für den ersten Versuch bin ich durchaus zufrieden. Perspektivisch empfiehlt sich wohl zu lernen, wie man einen Rock füttert – übergangsweise muss ich mich dann erstmal mit dem Thema Unterrock auseinandersetzen, denn der Rock tendiert dazu, am Bein hinauf zu wandern.

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Motiviert von diesen Erfolgserlebnissen habe ich mir nun auch noch die Anleitung für die Jacke “Minoru” gekauft. Die Anleitung ist schon angekommen und aktuell bin ich auf Stoffsuche. Richtig losgehen wird es dann wohl erst nach dem Italienurlaub. Aber ich freue mich, jawohlja!

Frauen und Kinder zuerst

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Alle jammern, dass der Sommer gegangen ist. Ich freue mich auf den Herbst. Das Licht ist das Schönste.

Ich habe mich über den Begriff “Frauenkrankheit” geärgert. Sollen sie reden von wertneutral. Frauenkrankheit und Kinderkrankheiten und Krankheiten. Immer dieselben Schubladen.

Es gibt Tage, da denke ich: Jetzt habe ich das lange genug ausgehalten; jetzt ist mal ein Anderer dran. Oder: eine Andere. Es gibt Tage, da ist nichts. Es gibt kein: Wie immer.

Da nimmt man halt eine Wärmflasche, sagte einst eine (Haus-)Ärztin. Ohne meine Wut zu verstehen. Frauenkrankheit heißt auch: Das gehört halt dazu, dass Du Schmerzen hast.

Das Hin und Her zwischen Schmerztabletten (gegen den Schmerz) und Magentabletten (gegen den Schmerz von den Schmerztabletten), das Horchen hinein und das Abwarten. Eine Woche mit, eine Woche ohne. Das Hadern, ob wieder eine Op, noch einmal geplant statt jedes Mal nur der Notfall sein. Die Ärztin sagt zu mir: Sie kennen sich am besten – und ich bin froh, eine gefunden zu haben, die mir das glaubt. Vielleicht noch bevor ich es mir selbst geglaubt habe.

Noch zwei Tage Arbeiten, dann endlich Herbst, Zuhausesein und Urlaub.

Nähwochenenden

Da ist es nun, mein neues Maschinchen. Hört auf den Namen “Die rote Gundi”. Eigentlich war ich ja um ein anderes Modell herumgeschlichen in den letzten Wochen und hatte die Anschaffung auf den November verschoben, wenn das Weihnachtsgeld kommt. Aber nun war unverhofft genug Geld da und meine erste Amtshandlung nach dieser Neuigkeit war, die neue Nähmaschine zu bestellen.

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In den letzten beiden Wochen habe ich gefühlt jede freie Minute zum Nähen genutzt. Was mich im Vergleich zu meiner alten Maschine begeistert ist, wie leise sie näht. Es gibt einen automatischen Einfädler und die Spule muss nur noch in den Tisch gelegt werden. Es ist nicht alle 10 Minuten ein Fadenknäuel zu entwirren, es reißt nicht alle 5 Minuten der Oberfaden. Wie entspannend es ist, einfach vor sich hinnähen zu können, ohne sich ständig über seine bockige Maschine aufregen zu müssen. Die Maschine näht ohne Pedal mittels Knopfdruck, woran ich mich schnell gewöhnt habe. Die Programme werden über den kleinen Bildschirm ausgewählt, der einem auch gleich mitteilt, welcher Nähfuß gerade gebraucht wird. Dazu hat die Maschine jede Menge Zierstiche, mit denen ich mit bisher aber noch nicht so intensiv auseinander gesetzt habe. Schreiben kann sie auch. Hach, Gundi…

Als erstes habe ich aus einem alten Bettbezug ein Kissen für den Herzenskater genäht. Bisher lag er auf “seinem” Sessel auf einer alten Decke, und wer weiß, wie mühsam es ist, jede Woche eine Decke mittels Staubsauger von einer dicken Schicht Katzenhaare zu befreien, wird wohl nachvollziehen können, warum ich als erstes dieses Kissen in Angriff nehmen wollte. Damit Herr Kater es schön kuschelig hat, wurde für das Innenleben 3 Schichten dicker Volumenvlies zusammengenäht, was dank des mitgelieferten Obertransportfußes kein Problem war. Leider gibt es kein Foto mit Kater – bitte ein rotes, schlecht gelaunt drein blickendes Tier einfach dazudenken:

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Danach habe ich mich mit dem Nähen von Jersey auf der Maschine auseinandergesetzt und außerdem dem Shirt Liv (von pattydoo) mit U-Boot-Ausschnitt eine zweite Chance gegeben. Das endete beim letzten Versuch ein bisschen katastrophig, weil ich mit der bebilderten Anleitung nicht klarkam, das übersteigt wohl einfach noch meine Fähigkeiten. Im zweiten Versuch jetzt ist es nicht perfekt, aber besser und tragbar.

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Unter der Woche habe ich dann noch an einem Rock nach einem Onion-Schnitt genäht, den ich vor Jahren mal gekauft hatte. Aus Faulheit (und wegen mangelnder Dänischkenntnisse) mit Rippenbündchen. Aus dem Stoff wollte ich mir eigentlich eine kurzärmlige Bluse nähen, hatte aber irgenwie verplant, dass der Schnitt erst bei Größe 40 losging und über mehrere Größen verkleinern war einfach nicht möglich. Mit dem Rock bin ich aber auch ganz froh. Den Stoff finde ich wunderschön. Für das nächste Wochenende habe ich einen Rock nach dem Schnitt Hollyburn von Sewaholic in Planung, der auch schon eine ganze Weile hier in der Schublade liegt. Aber das ist dann schon wieder etwas anspruchsvoller, das wollte ich nicht müde und ungeduldig nach der Arbeit machen.

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Und der Rock ist nicht schief, eigentlich.

Dieses Wochenende habe ich noch Unterhosen aus den Jerseyresten genäht, was eine Möglichkeit ist, die mich wirklich begeistert. Es ist ein großartiges Gefühl, so einen großen Prozentsatz der eigenen Kleidung selbst herstellen zu können.

Noch eine Woche arbeiten, diese Woche – wie schon in der letzten – ausnahmsweise 5 Tage statt der üblichen 4. Aber danach: 3 Wochen Urlaub. Ich freue mich!

niemals Stille

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Diese Stadt steht nicht still. Immer Bewegung, immer Geräusch. Ich würde nicht tauschen wollen, würde um nichts außerhalb der Stadt wohnen wollen. Aber manchmal brauchen meine Augen Grün, manchmal braucht mein Kopf Weite. Für reichlich Grün sorgt dieser Sommer, er ist bunt und blühend und lebendig. Die Aufnahmen habe ich alle im Tiergarten gemacht, für uns der “Park um die Ecke”, den ich im Winter noch furchtbar fand, mit dem ich mich jetzt im Sommer langsam anzufreunden beginne.

Alles ist gut gerade, das will ich sagen. Ich habe viel Glück, ich habe viel Grund zur Freude und Zufriedenheit. Ich bin froh darüber, wie die Dinge gerade sind. Manchmal stehe ich hier und kann es kaum fassen. Dann denke ich an meine Wünsche von vor 10 Jahren. Welche Wünsche ich mir erfüllt habe. Und wo es anders gekommen ist.

Ich habe mir immer eine Katze gewünscht und es hat lange gedauert, bis ich mir diesen Wunsch erfüllen konnte. Jetzt habe ich zwei verrückte Kater, die mein Leben manchmal ganzschön durcheinanderwirbeln. Aber die gleichzeitig der Garant dafür sind, dass ich mindestens einmal am Tag lachen muss, egal was ist. Ich habe mir immer gewünscht, nach Berlin zu gehen. Ich habe als Kind “Die roten Matrosen” gelesen und zu meinen Eltern gesagt: Dort muss ich hin. Ich habe Berlin gesehen und gewusst: Dort muss ich bleiben. Vom Wunsch bis zur Erfüllung waren es mehr als 15 Jahre. Eine Katze habe ich mir gewünscht, so lange ich denken kann. Mein Bruder ist starker Allergiker, später hat es dann nicht gepasst in WGs, der Vermieter war dagegen, und einmal, da wäre beinah der Kater Freddy bei uns eingezogen, doch dann rief die Katzenhilfe an und sagte, er sei verstorben. Als endlich mein Kater bei uns einzog, war ich 27 Jahre alt. Und vielleicht war es ja richtig zu warten, weil dieser Kater wirklich mein Kater ist, weil er und ich einen gemeinsamen Rhymthmus haben, eine uns einende Griesgrämigkeit und jeder für sich einen Sturkopf, der seinesgleichen sucht.

Ich frage mich, wie lange ich auf unser Kind warten muss. Wir warten seit 5 Jahren. Ich schaue zurück, schaue nach vorne. Manche Dinge verändern sich. Der Wunsch bleibt. Manchmal frage ich mich, ob es ok ist, sich etwas so lange zu wünschen. Ich glaube, es ist für viele mit dem Gefühl von Scham verbunden. Für mich wohl auch, manchmal. So vieles ist machbar geworden oder trägt die Illusion von Machbarkeit. Was nicht machbar ist, drängt uns in die Passivität. In diesem Spannungsfeld gibt es eine ganze Ansammlung von Schubladen, in die man gesteckt werden kann (oder sich selber steckt), je nach Blickwinkel, je nach Betrachter_in. Hin und wieder ist es notwendig, dass ich mich freischaufele aus den gefühlten Erwartungshaltungen. Dann ist es, als müsse ich Tonscherben wieder zusammenpuzzeln. Ja, ich sehne mich nach einer Schwangerschaft, einem Kind, trotz aller Wahrscheinlichkeiten. Ja, ich bin Feministin. Ja, ich bin glücklich. Nein, ich habe nicht immer nur noble Gefühle gegenüber Anderen. Nein, ich möchte damit gerade nicht abschließen.

Das Leben passiert, und ich glaube nicht an einen Weg, an eine/n Macher_in, an Ausgleich und Gerechtigkeit. Diese Schuhe sind mir zu groß, darin kann ich nicht laufen.

 

Was ich gestrickt habe: Wenig. Dafür die Nähmaschine bestellt, ein unverhoffter Geldsegen erleichterte die Entscheidung enorm. Sobald sie da ist, einen Namen trägt und die ersten Stiche genäht hat, wird sie vorgestellt werden.

Im Moment sitze ich gerne abends am offenen Fenster und stricke noch ein paar Reihen, solange das Licht noch reicht. Aktuell den “Laneway” von Veera (zu finden auf ravelry), der eigentlich eine Tunika ist, den ich aber, wie einige andere vor mir, als Pullover arbeite.

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Für Streifen bin ich ja sowieso immer zu haben, aber mit der leichten Asymetrie hat dieser Pullover noch das klitzekleine gewisse Etwas. In das neue Grau “13AL” von der lieben Wollmeise bin ich sehr verliebt, weil es mir erstaunlicherweise gut steht und wunderschön subtile Nuancen hat, die mit der Kamera schwer wiederzugeben sind. Die Ringel in Weiß und Blau sind aus Resten gestrickt. Jeden Abend ein paar Reihen, aber der Herbst ist ja noch weit hin; so fühlt es sich an. Der Sommer darf noch ein wenig bleiben.

Sommerliches

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Jetzt ist Sommer. Ich stricke fast garnicht, weil es zu warm ist. In den Straßen steht die Hitze, nachts schlafe ich schlecht. Was ich genieße: Den Sonnenschein. Die Abende an der Spree. Wie sich das Leben ein bisschen mehr nach draußen verlagert in diesen Wochen.

Mein Bauch macht mir zu schaffen gerade. Die letzte Woche war stressig, vielleicht ist es das. Es ging mir wirklich lange gut jetzt. Ich versuche zu sehen, dass immer nur bergauf auch irgendwann anstrengend ist. Stand zumindest auf einer Postkarte, die ich kürzlich verschickt habe.

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Ich merke, wie ich ernährungstechnisch in den Zeiten, wo die Arbeit mich mehr fordert als sonst, immer mal wieder auf der Kippe stehe. Aber dass ich auch ganz gut durchhalte. Im Sommer, finde ich, fällt es mir sowieso leichter, mich gesund zu ernähren. Den weggefallenen Arbeitsweg morgens nutze ich, um Gemüse zu schnipseln. Hirse, Linsen, Grünkern, Dinkel sind inzwischen fest in meinen Speiseplan integriert, ohne dass ich weiter darüber nachdenken muss. Mein “warmes Frühstück” unter der Woche ist zur Gewohnheit geworden. Ich merke, wie mir Stress weiterhin sofort auf den Bauch schlägt. Aber andersherum merke ich auch, dass ich meinem Bauch viel Gutes tun kann. Das ist das Neue für mich.

Wie schon angedeutet haben ich zuletzt wenig Zeit mit Handarbeiten verbracht. Am Sonntag wollten wir eigentlich einen Radausflug machen, der dann wegen meiner Schmerzen ausfallen musste. Stattdessen saß ich den Nachmittag über an der Nähmaschine und habe mir eine leichte Sommerhose genäht.

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Dieses Mal nach einem Schnitt, nämlich “Polly” von Schnittchen. Ziemlich viel Zeit ist drauf gegangen zum Zusammenkleben des Schnitts. Weil die Anleitung gleichzeitig auch für ein Shirt ist, das ich aber nicht nähen wollte, habe ich mir nur die entsprechenden Seiten ausgedruckt und zusammengeklebt (und dann auch direkt ausgeschnitten, was wahrscheinlich ein ziemlicher Frevel ist; aber den Nerv, das alles nochmal abzupausen, hatte ich einfach nicht). Ich habe die Hose ohne große Veränderungen nachgenäht. Weil ich zu wenig Stoff hatte und das vordere und hintere Hosenteil nicht nebeneinander auf den Stoff passten, steht das Muster auf der hinteren Seite jetzt auf dem Kopf. Krisenmanagement Note 1, Stoff fast vollständig verbraucht und wer es nicht weiß wird es wohl kaum bemerken.

Ich habe dieses Mal auch wirklich fast nichts zu meckern. Bei der Anleitung habe ich mich ab und an etwas verloren gefühlt und dann so weitergemacht, wie es meiner Meinung nach klappen könnte. Hat es ja dann auch.

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Besonders froh machen mich dieses Mal die Taschen, die mir wirklich sauber gelungen sind.

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Von innen und von außen! Jetzt hoffe ich bloß noch, dass keine doofen Spüche aus der Ecke “Aber das ist doch eine Schlafanzughose!” kommen. Nö, ist es nicht. Und ich gedenke sie morgen zur Arbeit zu tragen. So ist das nämlich.

und weiter

Und weiter geht es. Das Wetter wechselt von Regen nach sonnig, von schwül nach windig nach kühl. Ich versuche die sonnigen Momente zu nutzen und bin viel draußen, viel mit dem Rad unterwegs. Bis auf den nächtlichen Böllerunsinn von der Fanmeile her haben wir den diesjährigen Schlandwahnsinn einigermaßen unbehelligt überstanden. Vielleicht blendet mein Hirn inzwischen auch einfach besser aus. Oder es ist in Berlin wirklich einfacher als in der kleinen Stadt zuvor.

Inzwischen hat sich die Erkenntnis manifestiert: Ich brauche eine bessere Nähmaschine. Vielleicht ist “brauchen” das falsche Wort, man könnte den Satz auch formulieren: Ich wünsche mir/Es wäre großartigst/Mein Nähvergnügen wäre um so vieles vergünglicher. Da die letzten Monate wirklich teuer waren (Behandlungskosten für Mensch und Katze haben ziemlich reingehauen) veräußere ich nun gefühlt unseren halben Besitz (“Brauchen wir das noch? Und das?”). Das Leben fährt irgendwie Zickzack gerade. Aber es ist wieder ok so.

Genäht wurde: Die Hose.

Ja, schon, da bin ich doch ein bisschen stolz. Ein zwischenzeitlicher Anfall von Verzweiflung, als ich die Löcher für die vorderen Hosentaschen in das hintere Stoffteil schnitt. Die Hose ist “selbst entworfen” im Sinne von: Schnitte von verschiedenen vorhandenen Hosen abnehmen und versuchen, das Beste draus zu machen. Die Hosentaschen wurden aus den Jerseyresten vom kürzlich gezeigten Shirt genäht, die Hose selbst aus einem robusten Jeansstoff. Ich kann mich gut darin bewegen, beim Testklettern machte sie einen stabilen Eindruck.

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Oben wird die Hose gehalten von ganz gewöhnlichem dunkelblauen Bündchenstoff, unten sind die Abschlüsse aus grauen Jerseyresten genäht. Der kleine Affe zum Aufbügeln musste unbedingt mit, löst sich allerdings leider schon wieder an den Ärmchen.

Fertig wurde auch die Strickjacke “slanted sleeven” nach einer Anleitung von Ankestrick, die ich insofern abgewandelt habe, dass ich sie deutlich verlängert habe. Weil meine Maschenprobe nicht übereinstimmte, habe ich Größe M gewählt und damit glücklicherweise direkt richtig gelegen. Zwischendurch habe ich gedacht, dieses endlose Strickstück in glatt rechts wird nie anziehfertig. Aber jetzt darf ich mich nach den langen Mühen über ein schönes Basisteil freuen.

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Aktuell stricke ich an einem Ringelpullover, von dem es noch keine blogtauglichen Fotos gibt, der aber abwechslungsreich und gut fürs Gemüt ist. Und ab und zu hole ich auch den “Zweitnuvem” aus der Kiste, der bis zum Winter fertig werden soll und aktuell ein bisschen Sommerschlaf hält. Ein paar Socken für Unterwegs habe ich auch auf den Nadeln, wobei das “Unterwegs” sich durch den weggefallenen Arbeitsweg mit dem ÖPNV ziemlich reduziert hat. Aber das ist ja das Schöne am Stricken: Es braucht seine Zeit, es hat seine Zeit.

manche Tage & andere Tage

verwehteblumen

In diesen Tagen kommt die Trauer. Sie geht einher mit der Frage, ab wann ein Mensch, die Idee eines Menschen, die Möglichkeit einer Möglichkeit, ab wann das etwas ist, worum man trauern kann. Es heißt, unerfüllter Kinderwunsch sei ein kontinuierlicher Trauerprozess. Einer ohne spezifisches Ereignis. Ich weiß nicht, wie herum es zu beschreiben ist: Schwimme ich durch die Trauer von Insel zu Insel? Oder schwimme ich, und stoße immer wieder auf Inseln der Trauer? Für mich macht es einen Unterschied. Es macht auch einen Unterschied, wenn der Wunsch sich einmal visualisiert ist. Wenn man plötzlich ein Bild in der Hand hält. Nicht mehr als das Bild einer Möglichkeit. Die sich nicht erfüllt hat.

Die Trauer hat sich Zeit gelassen. Vielleicht wartet sie, bis wir stark genug sind, um sie auszuhalten. Im Juni hatte ich so viel Energie und Optimusmus im Gepäck wie lange nicht. Ich weiß, dass ich da jetzt durch muss. Ich weiß, dass andere Tage kommen. Ich weiß, dass keiner kommen wird, um mir zu sagen, dass sich unser Wunsch eines Tages erfüllt. Oder dass er ist nicht tun wird, aber es in Ordnung sein wird.

Mein Körper ist aus dem Takt, der Rest ist es auch. Einer der Bäume vor unserem Fenster ist umgestürzt. Ich sage, ich muss jetzt traurig sein dürfen. Auch wenn es vielleicht nicht jeder versteht.

Ein Wochenende

Die letzte Woche vergessen wir jetzt einfach mal. Bis auf wenige Inseln war sie hektisch und vollgestopft, was vor allem dem derzeitigen Krankenstand auf der Arbeit geschuldet war.

Seit ich nur noch 30 Stunden arbeite, und diese an 4 Tagen in der Woche, merke ich erst richtig, wie viel Raum die Arbeit zuvor eingenommen hat. Mein Wochenende hat jetzt immer 3 Tage und ich kann garnicht sagen, welchen Zuwachs an Lebensqualität mir das beschert hatte. Das Sonntagabendgefühl ist Geschichte (und ich glaube, das ist zum ersten mal in meinem Leben so). Was mir bewusst geworden ist, ist dass der Erholungseffekt eines Wochenendes bei mir scheinbar erst am Sonntagnachmittag, also nach ca. 1,5 Tagen einsetzt. Jetzt passt es einfach.

Meine Wochenenden, wie auch dieses, sind meistens gut gefüllt. Ich versuche  samstags nachzuarbeiten, was unter der Woche liegen geblieben ist. Außerdem ist Samstag der Tag, an dem das Gewohnheitstier in mir es braucht, dass die Wohnung sauber gemacht wird. Unter der Woche kann ich die Katzenhaarflusen, die über den Dielenboden schweben, ja gut ignorieren, wenn ich nach der Arbeit sofort aufs Sofa falle, aber am Wochenende muss ich das einfach auf der innerlichen Liste abgehakt haben, bevor alles andere dran ist. Ein weiteres Samstagsritual: Ausgedehntes Frühstück mit Zeitung (die der Zeitungsverkäufer im neuen Kiez mir inzwischen schon selbstverständlich entgegenstreckt, wenn er mich die Straße runterkommen sieht). Sonntagabends dann der Tatort, der ja aktuell sommerpausenbedingt ausfällt. Und dazwischen viel Zeit, die gefüllt werden möchte.

Dieses Wochenende: Erdbeermarmelade kochen.

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Das Beste daran: Die Zeit danach, in der die Wohnung noch nach Erdbeeren riecht.

Und genäht habe ich.

Eine Schlafanzugshose, die ein Testballon ist in Sachen Hosennähen.

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Denn eigentlich würde ich mir gerne als nächstes eine Hose zum Klettern nähen, ein einfaches Modell ohne großen Schnickschnack. Aktuell bin ich noch auf der Suche nach einem geeigneten Stoff. Am liebsten würde ich einen Baumwollstoff verwenden, allerdings soll er nicht zu  fest (wie z.B. Jeansstoff), einigermaßen reißfest und gleichzeitgig auch zumindest in maßen dehnbar sein. Mit meinen minimalen Kenntnissen finde ich es sehr schwer, einen solchen Stoff online zu kaufen. Und ob ich einen solchen Stoff im Laden vor Ort finde, bezweifle ich aktuell noch. Aber mal sehen.

Dann gab es den zweiten Versuch in Sachen Renfrew Top, dieses Mal aus dickerem Stoff und mit langen Ärmeln:

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Ich muss sagen, dass ich schon fast richtig zufrieden bin. Mich stören noch Details, aber das geht auch ein bisschen in Richtun Gemäkel. Es ist ein tragbarer Pullover entstanden, alltagstauglich und bequem. Die Frage, die sich mir weiterhin stellt, ist ob ich perpektivisch eher in eine bessere Nähmaschine oder in einen anständigen Nähkurs investieren sollte. Ich habe jedenfalls inzwischen so richtig Feuer gefangen…

 

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